Wolfgang Niegelhell

„Falco“ als neue Stütze für blinden Musiker

Steiermark
04.09.2022 16:00

Der blinde Musiker Wolfgang Niegelhell kann wieder lachen. Mit dem plötzlichen Verlust seines Assistenzhundes „Amadeus“ brach eine Welt zusammen. Dank Steirerkrone ist nun mit „Falco“ ein kleines Wunder geschehen, das auch RTL-Hundecoach Martin Rütter fasziniert

Der tiefen Trauer ist seit einigen Wochen unermessliche Freude gewichen, die nur wahre Tierfreunde nachvollziehen können. Im Bungalow von Wolfgang Niegelhell ist seit einigen Tagen mit „Falco“ wieder Lebensfreude eingekehrt. Vor einem halben Jahr starb der langjährige Assistenzhund „Amadeus“ an einer Krebserkrankung. Neun Jahre lang war der weiße Schäferhund sein treuer Begleiter durch dick und dünn und manövrierte ihn durch die Stolpersteine des Alltags.

Auf „Krone“-Bericht folgten Hilfsangebote
Er war auch stets bei Konzerten und in der TV-Show „Supertalent“ dabei. „Mit dem Tod von ,Amadeus’ habe ich erst bemerkt, dass ich mein Leben in dieser absoluten Dunkelheit nicht meistern kann“, gesteht sich Wolfgang Niegelhell ein. Im Musikzimmer hängt ein Foto von „Amadeus“, der in den Armen des blinden Musikers einschlafen durfte. „Zur großen Trauer kam auch ein Riesenschock.“ Die „Steirerkrone“ berichtete über den großen Verlust, der viele Menschen berührte und dem 56-Jährigen auch zum neuen, kuschelweichen Lebensglück verhalf.

Der Lions Club Graz sagte spontan finanzielle Unterstützung zu, auch andere haben sich an der Suche nach einem neuen Blindenführhund beteiligt. Doch das ist in Österreich alles andere als einfach. Trotz Ausbildungsstätten braucht es viel Zeit und noch mehr Geld, um einen gut ausgebildeten Blindenführhund zu bekommen. „In Österreich beträgt die Wartezeit oft zwei Jahre und länger und die Kosten liegen derzeit bei 42.000 Euro und mehr“, rechnet Wolfgang Niegelhell die Anschaffungs- und Ausbildungskosten vor. Diese speziell ausgebildeten Vierbeiner gelten rechtlich nicht als Tier, sondern als medizinisches Hilfsmittel.

Die Chemie muss passen“
„Ganz wichtig ist es, dass der Hund auch wirklich zu dir passt. Denn in dieser engen, harmonischen Partnerschaft muss die Chemie zwischen Herrl und seinem Kameraden auf vier Pfoten stimmen, sonst läuft der Hund mit dir buchstäblich gegen die Wand.“

Je früher ein Blinder seinen Assistenzhund erhält, umso intensiver ist die Beziehung. Dieses Glück hat der seit seinem 27. Lebensjahr erblindete Musiker mit seinem vier Monate alten Welpen nun, der noch sehr verspielt, aber äußerst gelehrig ist.

„,Falco’ zeigt mir im Haus die Türgriffe an, führt mich im Einkaufszentrum zum Lift und bringt mich zum Ampeldrücker. Das gibt mir eine unglaubliche Freiheit, und mit ,Falco’ an meiner Seite sprechen mich viel mehr Leute an, als wenn ich nur mit Blindenstock unterwegs wäre.“

Mein „Amadeus“ hat mir „Falco“ geschickt
Und das Allerwichtigste: Die Harmonie passt zwischen den beiden, die keine Minute voneinander getrennt sind. „Mein verstorbener ,Amadeus’ hat mir ,Falco’ geschickt“, strahlt der Musiker. „Nur, wenn du dem Hund vollstes Vertrauen entgegenbringst, wird er dich auch sicher durch den Alltag bringen.“

Gemeinsam mit Freundin Cornelia, die als Tierärztin auch Blindenführhunde ausbildet, wird „Falco“ in den nächsten Jahren noch viel mehr lernen, um eine unverzichtbare Hilfe im Leben eines blinden Menschen zu sein. „Dieses Privattraining, das nach zwei Jahren mit einer staatlichen Prüfung endet, erspart uns einiges an Geld, auch wenn noch 20.000 Euro zu stemmen sind. Das können sich viele vor allem heutzutage nicht mehr leisten.“

„Falco“ ist schon Medien-Profi
Ans Fotografieren und Filmen hat sich der Schweizer Schäferhund gewöhnt. Auf Zuruf dreht Falco seine zuckersüße Schnauze zur Kamera. RTL-Hundecoach Martin Rütter dreht mit dem kongenialen Team die Serie „Die Welpen kommen“, die im Herbst gezeigt wird. In den letzten Tagen wurde im Murpark und zu Hause in Heiligenkreuz am Waasen gedreht, wo „Falco“ auf die musikalische Leidenschaft seines Herrl eingeschworen wird. „Panflöte und Klavier liebt er.“

Mit dem Start ins neue Schuljahr ist Niegelhell auch wieder mit dem „Projekt Leben“ in Schulen unterwegs. Stets mit Assistenzhund „Falco“ an der Seite beweist der 56-Jährige, dass man auch als blinder Mensch ein glückliches Leben führen und Spaß haben kann. Auch wenn es immer wieder Momente gibt, die das Leben noch dunkler erscheinen lassen.

„Ich wollte mit meinem Leben in ewiger Finsternis Schluss machen, aber ich habe mich durch Selbstdisziplin für ein intensives Weiterleben entschieden. Doch überwinden werde ich es nie“, gibt Niegelhell ehrlich zu. „Wenn ich durch den Wald gehe, werde daran erinnert, was ich verloren habe. Man muss damit stets aufs Neue leben lernen.“ „Falco“ wird ihm dabei eine große Stütze sein.

Erich Fuchs
Erich Fuchs
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