05.08.2022 08:00 |

Kampf um Baugrund

Überführung hätte Tiroler Zug-Drama verhindert

Blechschäden am laufenden Band produzierte die Egger-Kreuzung in St. Johann in Tirol. Ein Projekt zur Entschärfung der Gefahrenstelle hängt in der Luft. Bringt das tödliche Zugunglück die Wende?

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Lokalaugenschein am Donnerstagvormittag an der Egger-Kreuzung in St. Johann: Zwei Grablichter und blaue Markierungen erinnern noch an das Drama, das sich Stunden zuvor hier abgespielt hat. Die Straße, die zum benachbarten Egger-Werk und zum nahen Campingplatz führt, ist von Autos und Lkw stark befahren. Rund alle zehn Minuten rauschen hier Personen- und auch Güterzüge durch. Zeit für Stille herrscht an diesem Ort kaum. Die Grablichter sind nach kurzer Zeit ausgeblasen worden.

Einheimische wissen um Gefahren
Wir treffen Sandra Schmuck, eine Einheimische, die vor sechs Jahren selbst schlechte Erfahrungen mit der Einbindung in die Bundesstraße gemacht hat: „Beim Abbiegen hat ein Lenker ein anderes Auto übersehen. Im Zuge des Ausweichmanövers ist es mir dann in die Beifahrerseite gekracht. Ich blieb unverletzt, aber mein Auto war ein Totalschaden.“ Jeder im Ort wisse, dass diese Kreuzung gefährlich ist. „Zahllose Unfälle haben sich hier schon ereignet.“ Zu beobachten ist, dass die meisten Autofahrer vor dem Bahnübergang warten, wenn auf der gegenüberliegenden Seite Fahrzeuge stehen, die in die Bundesstraße einbiegen wollen. Erst wenn genügend Platz für ein sicheres Überqueren vorhanden ist, fahren die Ortskundigen los. Auch die Lkw-Lenker warten den günstigen Augenblick ab.

Gefahrenpotenzial ist allen bekannt
Dass es auch bei ihnen kracht, beweist ein demolierter Bahnschranken hinter einem ÖBB-Gebäude. Den hat ein Lkw bei einem früheren Ereignis abgeräumt, sagt ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair.

Zitat Icon

Der Gemeinderat hat vor zwei Monaten einstimmig ein Projekt beschlossen, das eine Überführung vorsieht. Doch es scheitert an fremdem Grund.

Stefan Seiwald, Bürgermeister von St. Johann

Fakt ist: Wer zwischen den Schranken gefangen ist, kann nicht einfach zur Seite fahren. Es ist schlicht zu wenig Platz. Die Schranken stehen keine zwei Meter von den Gleisen entfernt. Die einzige Möglichkeit wäre, die Balken niederzufahren. Doch die machen einen massiven Eindruck.

Dass die Zustände prekär sind, weiß auch die Gemeinde St. Johann. „Seit knapp zehn Jahren arbeiten wir an einer Lösung. Das Baubezirksamt Kufstein hat ein einstimmig beschlossenes Projekt“, sagt Bürgermeister Stefan Seiwald. Das bestätigt Jürgen Wegscheider, Leiter des Amtes. „Die Lösung liegt in einer Überführung. Diese braucht aber die Zustimmung von fünf betroffenen Grundeigentümern. Das ist das Problem.“

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Tirol
Donnerstag, 11. August 2022
Wetter Symbol
Tirol Wetter
13° / 28°
heiter
11° / 27°
einzelne Regenschauer
11° / 26°
heiter
13° / 28°
heiter
15° / 27°
wolkig
(Bild: Krone KREATIV)