19.05.2022 19:10 |

Anhörung in Graz

Betreiber von Schrott-Reaktor im Kreuzverhör

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Mit Spannung hatten ihr viele Steirer und Kärntner entgegengefiebert: der Anhörung zur Krško-Betriebsverlängerung mit dem slowenischen Energieriesen Gen-Energija. Donnerstagabend öffnete die Grazer Technische Universität (TU) ihre Pforten für die öffentliche Veranstaltung, und zahlreiche Umweltaktivisten, Politiker, Behördenvertreter, Fachexperten - aber vor allem besorgte Bürger kamen.

Worum geht‘s? Das Klimaschutzministerium und die Länder Steiermark und Kärnten hatten eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erkämpft, weil das Risiko-AKW vor unserer Haustür bis 2043 weiterlaufen soll. Schaffen es die Betreiber nicht, diese UVP positiv zu „überstehen“, muss der Uralt-Meiler aus Sowjetzeiten bis Ende des nächsten Jahres abgeschaltet werden!

Betreiber legen Pläne für AKW-Verlängerung offen
„Atomkraft in Zukunft als grüne Energiequelle zu deklarieren, wie das die EU macht, ist ein Schritt in die völlig falsche Richtung“, betonte Umweltlandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) am Rande des Informationsabends gegenüber der „Krone“. Es sei aber wichtig, dass die AKW-Betreiber und Behörden ihre Pläne zu Krško darlegen. 

Schon im Vorfeld der Krško-Anhörung legten die Atomgegner die Finger in eine offene Wunde der Betreiber: das Erdbebenrisiko, dem der marode Reaktor Tag für Tag ausgesetzt ist. Der Meiler aus Sowjetzeiten ist der einzige innerhalb Europas, der in einer hochaktiven Erdbeben-Zone zwischen drei plattentektonischen Einheiten aus dem Boden gestampft wurde.

Erdbeben in der Nähe des AKWs
Sowohl das Krško-Becken als auch die 40 Kilometer entfernte kroatische Hauptstadt Zagreb waren bereits in der Vergangenheit von schweren Erdstößen betroffen: etwa am 29. Dezember 2020, als eine Stärke von 6,4 auf der Richter-Skala gemessen wurde. Im Jänner bebte die Erde wieder nur 28 Kilometer vom Nuklearkraftwerk entfernt.

„Die Erdbebengefährdung spielte bei der politischen Standortwahl in den 1970er-Jahren keine Rolle. Deshalb darf es auch keine Laufzeitverlängerung für den alten Reaktor am - von Anfang an ungeeigneten und höchst unsicheren - Standort geben“, fordert Atomexperte Reinhard Uhrig von Global 2000. Der Reaktor sei auf eine Erdbeben-Spitzenbeschleunigung von 0,3 g ausgelegt. „Untersuchungen aber zeigen, dass ein Wert von mindestens 0,85 g als notwendig angesehen wird - bei dem es beim Zustand des alten Reaktors jedoch zu Schäden, sogar bis hin zur Kernschmelze, kommen kann“, zeigt sich Uhrig besorgt.

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