14.05.2022 21:02 |

„Krone“-Reportage

Osim ist endlich wieder daheim in seiner Stadt

Die Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen Fußball-Trainer Ivica Osim in seiner Heimat Sarajevo wurde zum Staatsereignis. Sturms ehemaliger Maestro und Trainer-Sir wurde auf seinem letzten Weg von Tausenden begleitet. Auch eine Abordnung aus Graz war in Bosnien. Und auch die „Krone“ erwies „Ivan, dem Großen“ die letzte Ehre. 

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Abschiednehmen. Endgültig. Am Tag des Begräbnisses von Ivica Osim hängt ein grauer Wolkenschleier über Sarajevo. Die Miljacka fließt träge durch die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, auch sie scheint innezuhalten. Am Weg zur Gedenkfeier im Nationaltheater sind die Narben des Bosnien-Krieges auch fast 30 Jahre danach noch allgegenwärtig. Häuser mit Einschusslöchern allerorts. Eine der „Rosen von Sarajevo“ ziert den Theaterplatz. Sie erinnern an die zahllosen Einschläge, die vielen Menschen den Tod brachten. Einwohner haben die Krater mit rotem Harz ausgefüllt.

Der Fußball war zeitlebens Osims Religion
Auch eine schwarz-weiße Delegation hatte sich auf den Weg nach Sarajevo gemacht. Präsident Christian Jauk, Geschäftsführer Thomas Tebbich, Ex-Osim-Schützling Gilbert Prilasnig und Sturms Sicherheitschef Bruno Hütter sind gekommen, um den Jahrhunderttrainer auf seinem letzten Weg zu begleiten. „Ein historischer Tag“, sagt Jauk. Wie wahr.

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Ich sehe mir rund um die Uhr Spiele an. Hauptsache, es gibt einen Ball und zwei Mannschaften mit verschiedenen Leiberln

Ivica Osim zur "Krone" am 80. Geburtstag

Ein Konterfei des großen Mannes springt einem im Nationaltheater ins Auge. Ivan blickt auf seine geliebte Heimatstadt. Melancholisch, nachdenklich. Osim-typisch. Auf der Bühne ein Fußball inmitten eines Blumenmeers. Er war zeitlebens seine Religion.

Auf der Bühne nehmen uns Bilder und Videos auf einen Streifzug mit durch das Leben des Fußball-Philosophen. Osim als Spieler seines Stammklubs Željezničar Sarajevo, als Trainer, Teamchef. Ein Telefon-Interview mit Osim während seiner Zeit in Japan kommt einem in den Sinn. Um drei Uhr nachts. Das Wachbleiben hatte sich gelohnt. Wie immer bei Osim.

Auf der Bühne wechseln sich die Redner ab. Wegbegleiter, Freunde, Sportler und die hohe Polit-Prominenz um Valentin Inzko, den ehemaligen Hohen Repräsentanten Bosniens, würdigen den großen Sohn des geschundenen Landes. Auch Kroatiens Fußball-Legende Zvonimir Boban verneigt sich vor dem großen Meister seiner Zunft. Osim wäre ob dieser Rede-Lawine wohl schon unruhig auf seinem Sessel hin und her gerutscht. Schließlich wäre sicher irgendwo im Fernsehen ein Match gelaufen, das er hätte versäumen können. „Ich sehe mir rund um die Uhr Spiele an. Hauptsache, es gibt einen Ball und zwei Mannschaften mit verschiedenen Leiberln“, hatte er anlässlich seines 80. Geburtstages im Vorjahr zur „Steirerkrone“ gemeint.

Kurz danach wird der Ausnahmecoach am Friedhof Bare am Stadtrand zu Grabe getragen. 1500 Menschen haben sich eingefunden, Drohnen schwirren über der riesengroßen Trauergemeinde. Die Sonne lässt sich inzwischen blicken, der Sarg verschwindet allmählich unter dem Erdreich. Ivan hat ein schönes Ehrenbürger-Platzerl - mit Blick auf die Stadthügel seiner geliebten Heimat.

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