Schafbauer warnt:

„Nur Frage der Zeit, bis sich Wolfsrudel bildet!“

Tirol
13.05.2022 12:00

Seit Generationen betreibt die Familie Schett im Villgratental in Osttirol Land- und Almwirtschaft. Und es ist nicht das erste Mal, dass große Beutegreifer für Probleme sorgen. Ein Problem, das die Vorfahren stets unkompliziert gelöst haben. Wie derzeit mit Wolf, Bär und Co. umgegangen wird, dafür hat Josef Schett - gelinde gesagt - absolut kein Verständnis.

Josef Schett (62) ist ein Landwirt durch und durch. Aus Leidenschaft. Das merkt man bei jedem Satz, den er sagt. Und er liebt seine Tiere. Seine Tiere, das sind 100 Schafe und sechs „Pustertaler Sprinzen“ – eine Rinderrasse, von der es nur mehr 800 Exemplare gibt. Gott sei Dank, denn zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wäre die Spezies fast ausgerottet worden. Durch Zufall hat man Anfang der 90er-Jahre 50 Tiere im Aostatal entdeckt – ein Wiederaufzuchtprogramm wurde gestartet, an dem sich auch Schett beteiligt hat – das nur am Rande.

Noch können die Schafe auf die Almen aufgetrieben werden. (Bild: Schett)
Noch können die Schafe auf die Almen aufgetrieben werden.

100 Schafe treibt er Jahr für Jahr auf seine Alm
Seine „große (Tier)liebe“ sind aber seit Jahrzehnten die Schafe. 100 hat er mittlerweile, die er im Sommer Jahr für Jahr auf die hauseigene „Schlötter Alm“ auftreibt. Die ständig steigende Anzahl an Wolfrissen – zuletzt am Weerberg – bereitet ihm Sorgen. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir das erste Rudel im Land haben. Dann ist es aber zu spät. Daher müssen wir jetzt rasch handeln“, sagt Schett im Gespräch mit der „Krone“.

Für Tirol komme daher nur eines in Frage: eine wolfsfreie Zone! Die „EU-Ausrede“ unserer Politiker könne er schon gar nicht mehr hören. „In Norwegen hat man auch wegen der Rentierzucht eine wolfsfreie Zone geschaffen. Dasselbe brauchen wir für Tirol!“

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Wer fährt in ein Land auf Urlaub, in dem er Angst haben muss, früher order später von einem Wolf angefallen zu werden? Der Wolf muss weg.

Josef Falkner, Präsident der Tiroler Tourismusvereinigung TTV

„Entweder der Wolf oder der Mensch!“
Schützenhilfe bekommt er von Josef Falkner, dem Präsidenten der Tiroler Tourismusvereinigung (TTV): „Es braucht hier eine rasche Lösung. Im Sinne der Landwirtschaft, aber auch des Tourismus. Wer fährt in ein Land auf Urlaub, in dem er Angst haben muss, früher order später von einem Wolf angefallen zu werden? Hier gibt es kein Miteinander, wie einige Tierschützer behaupten. Es gibt nur ein Entweder-oder: Entweder der Wolf oder der Mensch!“

Wolfs-Besenderung sei vom Reich der Fantasien
Über die Vorschläge der Politik können sowohl Schett als auch Falkner nur mehr den Kopf schütteln. „Der beste Vorschlag war jener, dass ich pro gerissenem Tier 300 Meter Herdenschutz-Zaun kostenlos ausleihen kann. Geht’s noch?“, kann sich Schett nicht zurückhalten. „Ich halte mir doch keine Schafe, damit sie dann der Wolf frisst.“ Ins Reich der Fantasien siedelt der Osttiroler auch die Wolfs-Besenderung an – das funktioniere in der Praxis nicht. „Das zeugt von einer gesamthaften, erschreckenden Unwissenheit naturferner Menschen, die meinen, diese Raubtiere wären mit Haustieren zu vergleichen.“

„Herdenschutzhunde sind ebenfalls problematisch“
Problematisch sind aus seiner Sicht auch Herdenschutzhunde. Schett: „Vom finanziellen Aufwand einmal abgesehen, können Herdenschutzhunde auch für Wanderer gefährlich werden. Der Hund unterscheidet nämlich nicht zwischen Mensch oder Wolf. Beide sind für ihn Eindringlinge.“

Josef Schett mit Enkelin Sophia (Bild: Schett)
Josef Schett mit Enkelin Sophia

Ganz gefährlich sind laut Schett und Falkner jene Romantiker, die gar eine Wiederansiedlung des Wolfs in Tirol fordern. Ihr Argument: die Biodiversität steige dadurch. „Ein Blödsinn. Tatsächlich macht der Wolf die Almwirtschaft unmöglich. Und mit dem Rückgang der Almwirtschaft sinkt auch die Biodiversität. Durch die Rückkehr des Wolfes und den damit verbundenen Rückgang der Almbewirtschaftung wachsen die bisher gepflegten Almflächen zu und die bisherige Vielfalt an Pflanzen und Insekten geht stark zurück“, betont Schett abschließend.

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