10.05.2022 11:00 |

Schwankende Auslastung

Steirische Veranstalter ringen um ihr Publikum

Die Dichte an Kulturveranstaltungen ist hoch wie selten, um die Besucherzahlen steht es jedoch nicht so gut. Dafür ist aber nicht nur das Überangebot verantwortlich, sondern es spielen die Unwägbarkeiten der Pandemie, die Teuerungswelle, die das Geld nicht so locker sitzen lässt, und nicht zuletzt der Ukraine-Krieg mit.

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Donnerstagabend in der Grazer Oper - ein fast schon ungewohntes Bild nach zwei Jahren Corona: Der Publikumsraum ist prall gefüllt. Nur wenige Meter weiter in einem Kino jedoch sind die Reihen leer - und das, obwohl ein vermeintlicher Publikumsmagnet auf dem Programm steht. Ähnlich widersprüchliche Erfahrungen berichten „Krone“-Leser aus vielen Kinos, Konzert- und Theatersälen - obwohl dabei oft große Namen zu sehen sind.

Berg- und Talfahrt für Veranstalter
Auf einer echten Berg- und Talfahrt befinden sich die steirischen Kulturveranstalter derzeit. Während einige Veranstaltungen gut laufen, wird bei anderen um jeden Besucher gerungen.

„Wir sind im März 2020 mit einer 92-prozentigen Auslastung in den Lockdown gegangen; an diese Zahlen können wir zurzeit unmöglich anschließen“, sagt Iris Laufenberg, Intendantin des Schauspielhaus Graz. „Der Ticketverkauf gleibt aktuell hinter den Erwartungen zurück“, sagt Bernhard Rinner, Chef der Bühnen Graz, und nennt ein Beispiel: Ein Sänger, der vor Corona noch das Orpheum ausverkauft hatte, ist im heurigen Frühjahr gerade einmal auf 40 Prozent Auslastung gekommen. Und auch Klassik-Veranstalter styriarte ist weit weg von Vor-Corona-Zahlen, wie Intendant Mathis Huber vorrechnet: „Generell fehlen um die 25 Prozent des Publikums, das wir vor der Pandemie bedient haben.“

Ältere sind noch zögerlich - oft fehlt auch das Geld
Doch wo sind die treuen Kulturfans hin? „Vor allem die Älteren waren und sind sehr abwartend. Wir beobachten auch, dass ältere Besucher bei Veranstaltungen öfter dazu tendieren, eine Maske zu tragen“, sagt Rinner. Und auch im Kino preschen eher die Jungen vor: „Filme für jüngeres Publikum funktionieren gut. Bei älterem Publikum gibt es noch Luft nach oben was die Auslastung betrifft“, sagt Wolfgang Brandner von den Dieselkinos.

„Neben Corona sorgen aber auch der Krieg in der Ukraine und die Teuerungswelle dafür, dass die Grundstimmung nicht sehr gut ist“, fügt Johann König, Kulturbeauftragter der Stadt Weiz, hinzu. Auch wenn Tickets großteils (noch) nicht von der Teuerungswelle betroffen sind, müssen viele Steirer genauer aufs Geld schauen: „Es war in den vergangenen Wochen spürbar, dass sich diese Entwicklung negativ auf die für Kultur verfügbaren Geldmittel auswirkt, und das wird sicher noch schlimmer“, befürchtet der Weizer Kulturmanager. Er kann auch nicht ausschließen, dass es bei den Ticketpreisen künftig „Anpassungen“ geben wird müssen.

Publikum entscheidet sehr kurzfristig
Was zudem auffällt, ist die kurzfristigere Planung der Besucher: „Tickets werden eher knapp vor der Vorstellung gekauft“, erläutert Opern-Intendantin Nora Schmid. Umso bedeutender sind Abonnenten: „Unser Stammpublikum kommt zu 90 Prozent schon wieder, aber neues Publikum zu erreichen ist schwer“, spricht Peter Faßhuber vom Theater Oberzeiring vielen Kollegen aus dem Herzen.

Eine wahre Flut an Veranstaltungen
Verschärfend kommt hinzu, dass es derzeit unglaublich viele Veranstaltungen gibt: „Viele Shows und Konzerte aus 2020 und 2021 werden jetzt nachgeholt“, berichtet Christof Strimitzer von der Messe Graz. „Da wurden oft schon vor Jahren Verträge unterzeichnet, die auch eingehalten werden müssen“, erklärt König. Außerdem müssen viele der Veranstalter auch eine gewisse Zahl an Events abhalten, damit sie ihre Förderungen nicht verlieren: „Es geht aber nicht nur darum, den sogenannten Fördergegenstand zu erfüllen, sondern wir sind das auch den Künstlern und Kunden schuldig“, betont Michael Nemeth vom Grazer Musikverein.

Und so blickt man mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Zukunft: Denn es stehen zwar unzählige tolle Veranstaltungen auf dem Terminplan, aber niemand weiß, ob und wie man diese umsetzen kann - und ob auch Publikum kommt. Dennoch wollen sich Veranstalter wie Nemeth nicht entmutigen lassen: „Unsere Aufgabe bleibt weiterhin gleich: Kunst auf höchstem Niveau zu leistbaren Preisen in einem sicheren Umfeld zu bieten.“

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