05.04.2022 20:00 |

Diagonale eröffnet

Filmisches Aufbegehren gegen „richtige“ Absichten

Mit einer feurigen Rede in gewohnter Doppelconférence der beiden Intendanten Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger wurde die 25. Diagonale in der Grazer List-Halle eröffnet. Der Krieg in der Ukraine warf auch hier Schatten, dennoch stand die österreichische Filmwelt im Zentrum.

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„Der Blick auf die Kinoleinwand passiert immer aus der Gegenwart heraus“, betonten die Intendanten in ihrer gemeinsamen Eröffnungsrede. Und so werden einem heuer „unweigerlich Kriegsbilder aus der Ukraine in den Sinn kommen“. Dass die Diagonale in Krisenzeiten stattfindet, ist ja dank Pandemie, Umweltkatastrophen und nun auch diesem Krieg schon Gewohnheit, den Ruf, dass Kunst politisch sein müsse, sehen die beiden dennoch ambivalent.

Kunst sei immer politisch, dürfe aber nicht „auf eine bestimmte Message hinformuliert sein“. Dann sei sie nämlich Propaganda und trotz der „richtigen“ Absichten zu hinterfragen. Auch das Ausgrenzen von Künstlern, das Ausladen russischer Beiträge bei Festivals sehen sie kritisch. Daher ihr Appell: „Setzen wir Kunst und Kultur nicht mit Politik gleich - zumindest so lange uns etwas an einer freien Gesellschaft gelegen ist!“

Suche nach kleinen Paradiesen
Die Sehnsucht nach einem schönen Leben eint uns wie die Suche nach kleinen Paradiesen. Das ist auch eine treibende Kraft hinter vielen auf der Diagonale gezeigten Filmen. Und so riefen Schernhuber und Höglinger nicht nur zur Solidarität mit der Ukraine und der russischen Opposition auf, sondern auch zur „Solidarität mit der Sehnsucht nach einem schönen Leben und privatem Glück! Von Odessa bis Moskau, von Kiew bis Graz!“

Trotz vieler Schatten wurde die Diagonale mit Kurdwin Ayubs „Sonne“ und der Überreichung des Großen Schauspielpreises an Branko Samarovski feierlich eröffnet.

Eröffnung mit „Sonne“ von Kurdwin Ayub
Yesmin, Bella und Nati fluchen wie Rohrspatzen während sie den Hijab anlegen. Sie twerken vor der Handykamera und singen „Losing my Religion“ - mit einem Video davon sind die Teenager innerhalb weniger Tage ein kleiner Internethit. Doch ihre Probleme werden durch Interviews im Fernsehen und Auftritte bei muslimischen Hochzeiten nicht kleiner. Es ist eine Pubertät zwischen Sinnsuche und Social Media, Alltagsrassismus und Pop-Kultur, die das Trio erlebt - und sich dabei immer weiter auseinanderlebt. Denn während Yesmin die Art und Weise zu hinterfragt, wie ihre Kultur sie hemmt, finden Bella und Nati, eine Enthemmung im muslimischen Patriarchat.

Kurdwin Ayub inszeniert in „Sonne“ einen Clash der kulturellen Rollenbilder und der individuellen Sehnsüchte. Stilistisch greift sie dabei auf Handy-Chats und -Videos zurück und rückt so der Lebenswelt der Pubertierenden unglaublich nahe. Das besondere an dem Film ist, dass Ayub diese Nähe schaffen kann, zugleich aber auch große ironische Distanz zu dem Geschehen behält. Zu sehen ist „Sonne“ am Samstag um 11 Uhr im KIZ royal.

„Beatrix“ - Eine Frau verweigert sich
Eine junge Frau steht auch im Zentrum von „Beatrix“ von Lilith Kraxner und der Grazerin Milena Czernovsky. Das besondere an der Hauptfigur: Sie hat sich in einem Haus zurückgezogen, tut so gut wie nichts und scheint auch nicht auf ein zukünftiges Ziel hinzuarbeiten. Der Film ist aber nicht etwa ein Porträt der Faulheit, sondern ein Plädoyer der Verweigerung. Für faule Kompromisse ist diese Frau - grandios gespielt von Eva Sommer - nicht einmal in den kleinsten Momenten zu haben.

Geduld muss man für den Film mitbringen, wird dafür aber mit einer Figur konfrontiert, von der man bis zuletzt nicht weiß, ob man sie bemitleiden oder ihr nacheifern soll. Zu sehen am Donnerstag um 20.30 Uhr im Schubert Kino und am Sonntag um 19.30 Uhr im Annenhof Kino.

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