30.03.2022 12:50 |

Nicht spürbare Beben

Im Tiroler Boden bewegt sich mehr, als man denkt

Nach einem Erdbeben am 20. März kam der Boden unter Innsbruck tagelang nicht zur Ruhe - auch wenn es sich so anfühlte. Eine Seismologin der ZAMG erklärt, warum die Erde in Tirol oft bebt und dann lange nicht mehr aufhört.

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Im Erdreich unter Tirol hat es in den vergangenen Tagen kräftig rumort. Die Messinstrumente der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) beweisen, was wir sonst wohl kaum mitbekommen hätten: Im Unterland, im Außerfern und in Innsbruck kam es zu vielen, großteils nicht spürbaren Erdbeben.

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Tirol liegt entlang einer tektonischen Störungszone.

Rita Meurers, Seismologin bei der ZAMG

So viele Erschütterungen hintereinander sind selbst für Tirol ungewöhnlich, das für österreichische Verhältnisse relativ oft von Erdbeben betroffen ist. Wie Seismologin Rita Meurers von der ZAMG erklärt, hängt die jüngste Häufung mit jenem Beben der Stärke 2,7 zusammen, das vor zehn Tagen in Innsbruck zu spüren war. Die darauf folgenden Erschütterungen in der Landeshauptstadt, die zwar mess-, aber nicht spürbar waren, sind Nachbeben.

Tektonische Störungslinien erschüttern unser Land
„Tirol ist typisch für viele Nachbeben. Auch im Bereich Landeck haben wir das schon beobachtet“, berichtet Meurers. Die sogenannte Nachbebenserie in Innsbruck dürfte mittlerweile abgeebbt sein, es ist wieder ruhig unter der Landeshauptstadt. Das kann sich aber jederzeit wieder ändern.

„Tirol liegt entlang einer tektonischen Störungszone – es gibt etwa Störungslinien im Inntal, im Stubai und im Wipptal“, beschreibt Meurers, warum Erdbeben in Tirol relativ häufig sind (siehe Grafik). Diese Störungszonen sind Schwächepunkte im Gestein, wo es leichter zu Brüchen kommt. Wenn sich Platten verschieben, kann das Gestein der Reibung irgendwann nicht mehr standhalten und es kommt zum Bruch. Das spüren wir als Erdbeben. „Durch dieses entstehen wieder neue Spannungspunkte und damit ein neues Ungleichgewicht, das dann stufenweise abgebaut wird – das sind die Nachbeben“, erläutert die Expertin.

Je tiefer das Beben, desto ungefährlicher wird es
Je stärker das Hauptbeben, desto stärker sind auch die Nachbeben – im jüngsten Fall waren diese für uns gar nicht spürbar, weil schon das Hauptbeben mit einer Magnitude von 2,7 beziehungsweise einer Intensität von 3,5 relativ schwach war. Während die Magnitude die Stärke der Erschütterung misst (die viel zitierte „Richter-Skala“), gibt die Intensität an, wie groß die Auswirkungen an der Erdoberfläche sind.

Dass dieses Erdbeben nicht so stark war, hängt damit zusammen, dass das Epizentrum rund 14 Kilometer tief in der Erde lag. „Die durchschnittliche Tiefe liegt in Österreich bei sieben bis acht Kilometer“, weiß Rita Meurers, „in Innsbruck sind auch wesentlich stärkere Beben möglich.“

„Beben sind eine natürliche Erscheinung“
In ganz Österreich ist die Erde zurzeit vergleichsweise intensiv in Bewegung. Sorgen muss man sich deswegen nicht machen, wie die Seismologin beruhigt: „Die Beben sind eine natürliche Erscheinung.“

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