Mi, 19. September 2018

Mega-Kaution & Co.

20.05.2011 08:40

Dominique Strauss-Kahns hoher Preis für die "Freiheit"

Der zurückgetretene IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn kommt vorerst gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar frei, zusätzlich muss er fünf Millionen Dollar in Form von Bankbürgschaften hinterlegen. Doch ein Leben in Freiheit erwartet den 62-jährigen Franzosen nicht, denn jeder seiner Schritte wird in Zukunft protokolliert. Zudem wird ein bewaffneter Sicherheitsmann nie von seiner Seite weichen, und Kameras in seiner Wohnung sorgen für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung. Das Leben des Bankers wird sich bis zum Prozess wegen versuchter Vergewaltigung also enorm verändern.

Bisher bestand das Leben von Dominique Strauss-Kahn aus teuren Restaurants, edlen Hotels, Limousinen aus deutscher Produktion und Erste-Klasse-Sesseln in Flugzeugen. Und genau aus diesem Luxusleben wurde er am Samstag gerissen, weil er zuvor in seiner 3.000-Dollar-Suite ein Zimmermädchen angegriffen haben soll. Er habe ihr Anal- und Oralsex aufzwingen wollen, sagte die 32-Jährige am Mittwoch vor der Grand Jury aus, die 24 Stunden später die Anklage beschloss.

Strauss-Kahn in sieben Punkten angeklagt
Bei der Anklageerhebung gegen Strauss-Kahn nahm die Grand Jury alle von der Staatsanwaltschaft genannten Vorwürfe an. Dem früheren Chef des Internationalen Währungsfonds werden damit sechs Straftaten zur Last gelegt. Weil er bei der schwersten Tat - "sexuelle Belästigung in einem besonders schweren Fall" - gleich zweimal angeklagt ist, sieht er sich sieben Punkten gegenüber.

Laut Anklageschrift soll Strauss-Kahn am Samstag die Tür seines Hotelzimmers zugeschlagen haben, als ein Zimmermädchen zum Aufräumen eingetreten war. "Er griff dem Opfer ohne Einwilligung an die Brust, versuchte, die Strumpfhose herunterzuziehen, und griff ihm in den Schritt. Sein Penis hatte gewaltsam zweimal Kontakt mit dem Mund des Opfers."

Wegen dieses zweimaligen Kontakts wirft die Staatsanwaltschaft dem 62-Jährigen die doppelte "sexuelle Belästigung ersten Grades" vor. Dafür allein drohen jeweils 25 Jahre Haft. Hinzu kommt "versuchte Vergewaltigung ersten Grades", dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. "Sexueller Missbrauch" steht zweimal in der Anklage, das wird ersten Grades mit sieben Jahren, dritten Grades mit drei Monaten Haft geahndet. Die Schließung der Tür, um die Frau am Weglaufen zu hindern, wird zudem als Freiheitsberaubung gewertet. Dafür droht Strauss-Kahn ein Jahr Gefängnis, ebenso wie für "unsittliches Berühren".

Luxussuite gegen Zelle auf Rikers Island getauscht
Seit dem Vorfall ist für die Frau und auch für "DSK", wie er in seiner Heimat Frankreich genannt wird, nichts mehr, wie es war. Die 32-Jährige hält sich mithilfe der Polizei versteckt, er kam in eine Einzelzelle auf Rikers Island, einer Gefängnisinsel im New Yorker East River, zusammen mit 14.000 anderen Häftlingen - Untersuchungsgefangene, aber auch Mörder, Räuber, Schläger. Statt im edlen Anzug steckte der Franzose in einem Blaumann aus Spezialstoff, der sich nicht in Streifen reißen lässt. So soll verhindert werden, dass ein lebensmüder Häftling sich eine Schlinge knotet und aufhängt.

Der hohe Preis für die "Freiheit"
Der Flur vor dem Verhandlungssaal im 13. Stock war schon Stunden vor der Anhörung am Donnerstag voll. Auch die Ehefrau Strauss-Kahns erschien zu dem Gerichtstermin. Sie war sichtlich bestürzt und musste von einer Tochter aus einer früheren Ehe des Weltbankers gestützt werden. Erst mit dem Richterspruch hellte sich ihre Mine auf. "Es ist eine große Erleichterung für seine Familie, ihn um sich zu haben", sagte Verteidiger Bill Taylor nach dem Gerichtstermin.

Der Streit zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung war bitter, doch letztlich gewährt der Richter Freiheit - zu einem beispiellos hohen Preis. Strauss-Kahn muss nicht nur seine beiden Reisepässe abgeben und die angebotene Million Dollar (490.712 Euro) in bar hinterlegen. Der Richter will weitere fünf Millionen als Garantie, für die Strauss-Kahn als Sicherheit seine Häuser anbieten kann.

Doch sein Leben wird auch in Freiheit nicht frei sein. Eine Sicherheitsfirma wird beauftragt, den Franzosen ständig zu begleiten. Die bewaffneten Männer sollen jeden Schritt, jeden Besucher, jede Bewegung protokollieren. In der Wohnung, die seine Frau angemietet hat und in der beide wohnen sollen, dokumentieren Überwachungskameras jede Sekunde. Bis zu seinem Prozess, der vermutlich im Herbst stattfinden wird, darf er New York nicht verlassen.

Nach Verkündung zurück in die Zelle
Eine Siegesparty war dem Franzosen noch nicht vergönnt, denn nach der Entscheidung musste er erst einmal wieder in seine Einzelzelle auf der Gefängnisinsel zurück. Die Gefängnistüren öffnen sich erst, wenn die Million da ist.

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