18.12.2021 12:45 |

Ines Gstrein vom TLP

Expertin betont: „Pandemie steigert Aggression“

Weil er „etwas gegen Blaulichtorganisationen hat“, rammte ein Buslenker am Montag einen Notarztwagen in St. Johann und ging mit einem Messer auf einen Sanitäter los. Am Donnerstag attackierte ein 27-Jähriger seine Schwester und deren Lebensgefährten in Innsbruck mit einem Messer. Die „Krone“ berichtete. Auch auf Corona-Demos kommt es regelmäßig zu Ausschreitungen. Als Laie kommt man zu dem Schluss, dass es immer mehr Aggression in der Gesellschaft gibt. Doch stimmt das?

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Wie Ines Gstrein, Psychotherapeutin und Vorsitzende des Tiroler Landesverbandes für Psychotherapie, im Gespräch mit der „Tiroler Krone“ sagt, sehe sie durchaus, „dass das Aggressionspotenzial in der Gesellschaft durch die Pandemie gestiegen ist“. Herausforderungen, enttäuschte Erwartungen, Begrenzungen und Frustrationen „machen die Menschen einerseits mürbe und auch aggressiv“.

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Schwierige Lebenserfahrungen docken in der aktuellen Situation an, sodass es häufig zu einer Vermischung mit all diesen Gefühlen, die man schon früher erlebt hat, kommt.

Ines Gstrein

Laut der Expertin ist Aggression in jedem Menschen von Natur aus angelegt: „Sie entsteht zusätzlich auch durch Ohnmachtsgefühle, Kontrollverlust oder als Antwort auf erlebte Ungerechtigkeit und Angriffe.“

Pandemie als Verstärker
Die Pandemie kann all das verstärken. „Schwierige Lebenserfahrungen docken in der aktuellen Situation an, sodass es häufig zu einer Vermischung mit all diesen Gefühlen, die man schon früher erlebt hat, kommt. Dies ist auch eine Erklärung dafür, warum die Gesellschaft momentan emotional so aufgeladen ist“, verdeutlicht Gstrein.

Und wie erkenne ich am besten, dass bei mir oder in meinem Umfeld die Aggressivität gefährlich zunimmt? „Wenn man immer öfter auch über Kleinigkeiten flucht oder schreit, permanent gereizt ist, einen alles aufregt und man sich einfach nicht mehr beruhigen oder distanzieren kann, sind das deutliche Alarmsignale.“

Angemessenen Umgang mit Aggression erlernen“
Damit es nicht zu einer Eskalation kommt, rät Gstrein dazu, „die aufgestauten Energien abzubauen. Mit Sport, Ablenkung auf andere Themen, Entspannungsübungen etwa durch autogenes Training oder das Ausschreien an geeigneten Orten“.

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Wir müssen das Verbindende, die Augenhöhe, Verständnis und Toleranz wieder stärken.

Ines Gstrein

Da zahlreiche Menschen auch an unterdrückter Aggression leiden, gehe es für diese darum, Wut spüren zu lernen und einen konstruktiven Umgang damit zu finden. Für die gespaltene Gesellschaft empfiehlt Gstrein, „dass wir das Verbindende, die Augenhöhe, Verständnis und Toleranz wieder stärken“.

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