02.11.2021 09:10 |

Beruhigende Orte

Tanja Raunig: „Hier steht die Zeit still“

Schauspielerin Tanja Raunig über beruhigende Orte, Leitfäden und woraus man Kraft schöpft.

„Krone“:Sie haben mich zu einem Spaziergang über den Friedhof der Namenlosen eingeladen.
Tanja Raunig: Ich habe eine gewisse Affinität für Friedhöfe entwickelt. Viele sagen ja, es ist ein Ort der Ruhe, was auf eine gewisse Weise auch stimmt. Aber wenn man sich auf ein Bankerl setzt und schaut, wie lebendig das ist und wie viele Tierchen da auch ihr Zuhause haben, finde ich, dass es gar nicht so ruhig ist, sondern etwas Beruhigendes hat. Und das tut mir gut. Darum hat es eine gewisse Anziehungskraft, weil ich innerlich eher ein hohes Tempo habe. Das ist so ein Mikrokosmos, in dem die Zeit ein bisserl stillsteht.

Seit wann gehen Sie denn gerne auf Friedhöfe?
Angefangen hat es in einem Urlaub in Paris, auf dem Friedhof Père Lachaise, ein unglaublich schöner Ort! Und seitdem schaue ich jedes Mal, wenn ich auf Urlaub fahre, dass ich auf einen Friedhof komme.

Haben Sie da ein paar besondere Tipps für mich?
Noch sehr schön ist der Green-Wood Cemetery in New York oder der jüdische Friedhof in Marrakesch. Aber auch wenn ich in Österreich im Sommer wo spiele, z. B. in Melk, da spaziere ich auch dort immer gerne durch die Friedhöfe, das gehört mittlerweile zum Fixprogramm.

Haben Sie Angst vor dem Tod?
Ich glaube, die Vorstellung, dass man irgendwann nicht mehr existiert, ist für uns alle etwas eigen. Bei mir hat das Thema recht viel Raum. Ich verdränge es nicht. Ich würde sagen: Sterben gehört zum Leben und nicht zum Tod. Wenn man sich mit dem Tod beschäftigt, beschäftigt man sich unfassbar viel mit dem Leben, und darum geht’s eigentlich. Es kann sein, dass danach was kommt, aber auch, dass danach nichts kommt. Religionen bieten einen Leitfaden oder sagen wir moralischen Kompass.

Für viele ist der Glaube ja eine enorme Stütze im Leben und gibt Kraft.
Solange er als persönliche Kraftquelle genützt und nicht dafür verwendet wird, anderen eine Lebensweise aufzudrängen, finde ich das absolut in Ordnung.

Sind Sie privat eher die „quirlige Frohnatur“ oder ruhig und zurückgezogen?
Ich bin beides, ich bin schon sehr kommunikativ, aber ich brauche auch schon sehr meine Ruhe.

Also: Disco oder Friedhof?
(lacht) Friedhof!

Auf welchem wollen Sie denn begraben werden?
Am liebsten würde ich verbrannt werden, und meine Familie und engsten Freunde müssen meine Asche in Island verstreuen (lacht). Das stelle ich mir schön vor.

„Auch das bin ich“, Kronen Zeitung

Stefan Weinberger
Stefan Weinberger
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