26.10.2021 08:00 |

Steirische Identität

Farbenlehre: Die Steirer sind grün bis ins Mark

Wald, Herz, Wappen, Kernöl, Loden oder auch Moschee - die Farbe Grün ist in unserem Bundesland allgegenwärtig. Eine Erkundung der steirischen Identität und Mentalität.

Das grüne Herz Österreichs, die grüne Mark, das grüne Gold - die Steiermark und die Farbe Grün sind untrennbar verbunden. Doch woher kommt dieses Naheverhältnis? Der Waldreichtum unseres Bundeslandes hat sicher viel damit zu tun. Die Steiermark ist auch heute noch mit 60 Prozent das waldreichste Bundesland, knapp vor Kärnten. Österreichweit liegt der Durchschnitt bei 47,6 Prozent.

Das dunkle Grün des Kernöls und das moosige Grün des Lodens, der den Steireranzug ziert, tragen natürlich ebenfalls viel zur Identifizierung der Steirer mit dem Grün bei. Nicht zuletzt das Engagement für Umwelt- und Naturschutz, das den Steirern ein großes Anliegen ist.

Grün steht für Ordnung, Natur und Wachstum
Dazu kommen wohl auch die positiven Eigenschaften, die man mit der Farbe verknüpft. Sie ist das Zeichen der erwachenden Natur, der Hoffnung, der Fruchtbarkeit. Auch im Christentum steht das Grün für neues Leben und Hoffnung, also für die Osterzeit und die Auferstehung und nicht zuletzt für die Eucharistie, das Sakrament der heiligen Kommunion. Und als Signalfarbe bedeutet es Ordnung, steht für das Positive, das Normale, das Unproblematische. Wir sind also an grüne Ampeln und Notausgangsschilder gewöhnt. Dazu kommen in der Steiermark vielfach grüne Parkbänke, Logos sowie Straßen- und Firmenschilder. Man kann also sagen, die Farbe Grün ist auch die Farbe Steiermark. Im Rahmen der bis Ende Oktober laufenden Steiermark Schau widmet sich auch das Grazer Volkskundemuseum in seinem Café Grün der steirischen Farbe. Mit oft überraschenden Erkenntnissen!

Landesfarben sind in Österreich einmalig
Ein silberner/weißer Panther auf grünem Grund, darüber der Herzoghut - so sieht das steirische Landeswappen aus. Sein Ursprung reicht bis 1160 zurück, als Markgraf Ottokar III. von Steyr es zu seinem offiziellen Schildwappen gewählt hat, 1180 wurde es zum Wappen für das neue Herzogtum Steiermark.

Auch die steirische Fahne hat ihren Ursprung im 13. Jahrhundert, bei den Farben im Wappen des Landesmarschalls Herrand von Wildon. Bis heute besteht sie aus zwei Querstreifen in Weiß und Grün mit dem Landeswappen in der Mitte. Sie ist nicht nur ob ihrer seltenen Farbgebung identitätsstiftend, sondern auch, weil das Wappen seit 750 Jahren fast unverändert geblieben ist.

Ein Wetterfleck als steirisches Symbol
Früher war der Wetterfleck eine wärmende und schützende Kleidung für Holzknechte, Bergbauern oder Fuhrleute. Die Jäger nützen ihn auch heute noch gerne, sonst ist der Wetterfleck ein wenig aus der Mode gekommen. Zum legendären Volkskundler und Kulturpolitiker Hanns Koren gehörte das lodengrüne Kleidungsstück aber wie sein Steirerhut. Er trug es als Symbol für Bodenständigkeit und Volksverbundenheit, nicht zuletzt als Hommage an sein großes Vorbild Erzherzog Johann. Kein Wunder also, dass es dieses Kleidungsstück mittlerweile zu Museums-Ehren gebracht hat und ihm im Grazer Volkskundemuseum eine eigene Vitrine gewidmet ist. Ein steirischeres G’wand gibt’s wohl nicht.

Tourismus-Idee, die zu Herzen geht
Auf Anregung des damaligen Tourismuslandesrats Franz Wegart schuf der 2010 verstorbene Künstler und Grafiker Helmut Gross im Jahr 1972 das berühmte Logo „Steiermark - das grüne Herz Österreichs“, das seitdem - mit einer kleinen Verschnaufpause dazwischen - für Urlaub in der Steiermark wirbt. Schon knapp nach seiner Einführung in der „Neuen Zeit“ zierte es T-Shirts und ging vor allem als Abziehbild um die Welt. Doch es sind nicht nur Touristen, die auf das grüne Herz mit weißer Schrift anspringen, auch die Steirer selbst identifizieren sich stark mit diesem Logo. Der Umstand, dass dieses Symbol auch bei Sportveranstaltungen oder im Handel eingesetzt wird, trägt da sicher einiges dazu bei.

Moschee in der heiligen Farbe
Nicht nur für die Christen spielt Grün gerade in der Osterzeit eine wesentliche Rolle, im Islam steht die Farbe für den Propheten Mohammed und ist somit eine heilige Farbe. Der Prophet hat sich auch gerne in dieser Farbe gekleidet, sowohl sein Mantel als auch sein Turban waren grün. Grüne Turbane sind bis heute den Kalifen vorbehalten. Die Vorliebe für Grün ist auch darauf zurückzuführen, dass die Farbe für Vegetation steht, was in Wüsten-Gebieten durchaus dem Paradies entspricht.

Nicht von ungefähr wurden also für die Verkleidung der Moschee bzw. des Islamischen Kulturzentrums in Graz grüne Fliesen gewählt, die dem Gebäude neben der heiligen auch eine steirische Note verleihen.

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