16.10.2021 06:00 |

Menschenfreund

Heikes sozialer Einsatz sprengt alle Grenzen

Die Unternehmerin Heike Schmidt wurde als 1. Österreicherin zur Europa-Chefin des Serviceclubs Zonta gewählt. Von Bad Gleichenberg aus will sie die Welt „weicher“ machen: mehr geben, weniger nehmen!

Seit dem letzten Wochenende läutet das Telefon unentwegt, aus aller Welt trudeln Mails ein. Alle gratulieren der Zonta-Gouverneurin zur Präsidentschaft. Für zwei Jahre ist Heike Schmidt einstimmig zur Europa-Gouverneurin gewählt worden. Zur „Angelobung und Einschulung“ geht es bereits in den nächsten Tagen nach Chicago. „Dein soziales Engagement sprengt nun alle Grenzen“, ist in einem Glückwunschschreiben zu lesen, das Schmidts neue Super-Position im weltweit aktiven Serviceclub für Frauen bewertet. Zonta ist ein internationaler Service-Club berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen, der sich für die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen einsetzt.

„Frauen machen die Welt weicher und familiärer“ - das hat Heike Schmidt in ihrem Heimatort Bad Gleichenberg eindrucksvoll unter Beweis gestellt. „Man kann viel im Kleinen bewirken, denn jede Handlung ist x-mal besser, als nur darüber zu reden.“ In den letzten fünf Jahren hat die 51-Jährige ein dichtes Versorgungsnetz aufgebaut, das Menschen in prekären Lebenslagen hilft. Über den Sozialverein Willa wird rasche und unbürokratische Hilfe über mehrere soziale Einrichtungen und 85 ehrenamtliche Mitarbeiter angeboten. Heike Schmidt kann begeistern, und dieses Talent befeuert die Zonta-Bewegung im Großen wie auch die schlagkräftigen Hilfsprojekte vor Ort. 

Bittere Not und Armut vor der Haustür
Über die Tafel Österreich wird an jedem Samstag in Bad Gleichenberg knapp eine Tonne an Lebensmitteln an 100 Familien verteilt, die auf diese Spenden angewiesen sind. Auf Initiative von Heike Schmidt sind in den letzten Jahren eine Kleiderbörse, ein Vintage-Laden, eine Möbelbörse und ein Trauercafé gegründet worden, um die unterschiedlichsten Nöte und Sorgen der Menschen zu lindern: „Ein Anruf genügt, und wir können innerhalb weniger Stunden eine ganze Wohnung einrichten.“

„Das passiert mitten unter uns“
Heike Schmidt nennt den jüngsten Fall einer Mutter mit sieben Kindern, die bis zuletzt in unzumutbaren Verhältnissen leben mussten. „Die Kinder haben auf dem Boden schlafen müssen, weil das Geld selbst für das Allernotwendigste einfach nicht reicht. Und das passiert mitten unter uns!“ Unsagbares Leid hat die 51-Jährige bei ihrem sozialen Einsatz im Jugoslawienkrieg erlebt. „Ich habe tagelang nur geweint, als ich auf die vergessenen Witwen von Srebrenica gestoßen bin. Es ist belastend, wenn man helfen und verändern möchte, aber einem die Hände gebunden sind.“ Die Veränderung, die ich sehe und mir wünsche, realisiere ich in meinem Heimatort Bad Gleichenberg„, beteuert Heike Schmidt, die aus der eigenen Tasche Stipendien für junge Frauen finanziert, Asylwerber unterstützt und mit Amiri Ali Ahmad auch einen Flüchtling in der eigenen Familie integriert. “Ich bin um keinen Deut besser als ein Flüchtling. Mein Lebensglück basiert auf jenem Umstand, in Österreich geboren zu sein."

Vom privaten Umfeld könnte sich Heike Schmidt, verheiratet mit dem Boxmark-Firmenchef (Jahresumsatz 200 Millionen), ein bequemes Luxus-Leben gönnen. Doch sie tut es nicht. Allein der Gedanke an ein Jet-Set-Leben ist der Unternehmerin völlig zuwider. “Ich möchte nicht zu dieser Gesellschaft dazugehören. Ich kann mit diesen Menschen, die sich über Geld und Besitztum definieren, nichts anfangen, weil mir deren Oberflächlichkeit zuwider ist„, findet Heike Schmidt klare Worte, für die Geld nur als Sicherheit Bedeutung hat, “aber in keinem Moment helfen kann, wenn du in Not oder krank bist.„

Heike Schmidt weiß, wovon sie spricht. Burn-out hat die Powerfrau aus den Bahnen geworfen. “Ich hatte Todesangst, war ganz unten und möchte dort nie mehr wieder hin.„ Nach dem Aufprall fand die Philanthropin wieder zurück in ein Leben, das viel mehr von Geben als von Nehmen geprägt ist. Sorgen macht sie sich über die Spaltung der Gesellschaft. “Hätte ich ein Rezept, um dieses Auseinanderdriften verhindern zu können, wäre ich ewig dankbar.“

„Das Gute im Menschen ist mein Ankerpunkt“
„Soziales Engagement kann viel mehr, als wir denken“, ist ihr Motto. Denn anderen etwas zu geben, sichert nicht nur die Dankbarkeit des Gegenübers, sondern steigert auch die eigene Zufriedenheit: “Von jemandem bedankt zu werden, schüttet Glückshormone aus, die uns bestärkt älter werden lassen, schmunzelt Heike Schmidt. „Und deswegen bin auch so engagiert, weil ich unbedingt 104 Jahre alt werden möchte.“ Eine tolle Frau!

Erich Fuchs
Erich Fuchs
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