01.04.2021 06:30 |

Grazer Institution:

Das Kabarettarchiv feiert seinen 20. Geburtststag

Kein Aprilscherz - obwohl die heimische Geschichte des Kabaretts in Wien begann, liegen viele Schätze der Historie in Graz. Vor 20 Jahren wurde das einzige österreichische Kabarettarchiv gegründet. Doch vom Bund ist die Institution immer noch chronisch unterfinanziert.

Seit der Gründung des ersten Kabaretts 1901 in Wien ist die Kleinkunst eine der beliebtesten Kultursparten des Landes„, sagt Iris Fink, Leiterin des Kabarettarchivs. Von Karl Farkas über Lore Krainer bis Paul Pizzera - die Stars der Szene waren und sind in aller Munde. „Doch wirklich gut erforscht war die Szene, die ab der Nachkriegszeit auch Graz erobert hat, nicht", erinnert sie sich an ihre Anfänge als Humorhistorikerin.

Zentrale Anlaufstelle
Bis heute liegen die Nachlässe großer Kabarettisten in den unterschiedlichsten Bibliotheken und Archiven verteilt: „Wir wollten eine zentrale Anlaufstelle gründen“, erzählt Fink über die Gründung des Archivs, an der auch Historiker Hans Veigl, Kabarettist Jörg-Martin Willnauer und „Steirerkrone“-Redakteur Bernd Schmid beteiligt waren. „In Wien hatte es mehrere Versuche gegeben, in Graz waren wir erfolgreich.“

Unterstützt von der Stadt eröffnete man am 1. April 2001 ein erstes Archiv: „Wir hatten ein kleines Ankaufsbudget und haben angefangen auf Flohmärkten Dinge aufzukaufen und Kabarettisten um ihre Bestände zu fragen.“ Leo Lukas war der erste aktive Künstler, der uns seinen Vorlass überließ, zahlreiche weitere folgten.

Wechselvolle Geschichte
Die Sammlung wuchs an, doch die Unterstützung der Politik ließ auf sich warten: „2003 strich die Stadt unsere Förderung, wir sind nach Straden übersiedelt, haben dort erfolgreich auch Ausstellungen gemacht", erzählt Fink. Doch nach einigen Jahren verlor man auch dort die Unterstützung und kam retour nach Graz, wo man 2012 die aktuelle Heimat beim Literaturhaus bezog.

Kabarett erobert die Steiermark
Am Anfang stand der „Igel“. Eine Truppe, die Franz Paul kurz nach dem Krieg ins Leben gerufen hat - mit dem damals schon bekannten Fritz Muliar - , und die zu dieser Zeit eher auf Unterhaltung denn auf politische Bissigkeit setzte. Das im Umfeld der Uni bereits 1946 entstandene „Studentenbrettl“ brachte einen der größten Förderer der heimischen Kabarettszene hervor: Emil Breisach. Er etablierte unter anderem mit „Treffpunkt Orpheum“ auch das erste steirische Radiokabarett, eine legendäre Sendereihe.

Politischer wurde das Kabarett in der Steiermark im Laufe der Jahre mit Gruppen wie „Der Würfel“, der bald nach Wien abwanderte, „Der Hammer“, „Forum Zoo“ und die lange aktiven „Tellerwäscher“. Unvergessen sind Namen wie Lore Krainer, die in ihrem „Girardikeller“ in Graz erste Erfolge feierte, oder Sepp Trummer und Gerda Klimek, die mit ihrem Witz lange auch die „Gal(l)eristen“ prägten.

Theatercafé als Sprungbrett
Das Grazer Theatercafé ist weit mehr als ein Veranstaltungsort, wo auch sehr renommierte Kabarettisten ihre Programme erstmals einem Publikum vorstellen. Als Schauplatz des Wettstreits um den Kleinkunstvogel, einem der wichtigsten Nachwuchspreise, ist es auch eine Talente-Schmiede, die zahlreiche große Namen hervorgebracht hat. Einer der ersten Preisträger war der Bayer Michael Mittermeier, doch auch Martin Puntigam, Mike Supancic, Christian Schreiner, Paul Pizzera und viele andere mehr haben dort ihre ersten Schritte auf einer Kleinkunstbühne gewagt - um dann eine spannende Karriere hinzulegen. Bis heute wird jährlich um den begehrten Vogel gerittert.

Ganz ohne diese Unterstützung hat es die so umstrittene wie bekannte Steirerin Lisa Eckhart auf die internationalen Kabarettbretter geschafft.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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