22.11.2020 08:00 |

100 Millionen Euro

Grazer Rad-Offensive nimmt jetzt langsam Fahrt auf

Graz war in der Vergangenheit Drahtesel-Vorreiter. Und will das auch in Zukunft sein: In den nächsten zehn Jahren soll das Rad-Netz in der Landeshauptstadt massiv ausgebaut werden. Im Zentrum wird das sicher nicht ohne Konflikte ablaufen. Denn für die Autofahrer könnte das weniger Parkplätze und mehr Stau bedeuten.

Es ist schon ein Zeiterl her: Anno 1980 wurden in Graz die ersten Radwege Österreichs markiert. Jetzt geht die Murmetropole wieder neue Wege: 100 Millionen Euro werden bis 2030 in den Ausbau der Radwege investiert - die Stadt und das Land machen fifty-fifty. Das wurde justament kurz vor der Landtagswahl im Herbst 2019 verkündet. Viele vermuteten einen Wahlkampfgag - und wurden noch misstrauischer, weil danach nichts geschah.

Straßenraum wird neu verteilt
Doch es geschah nicht nichts: Zwar wurden noch keine neuen Radwege errichtet, die Planungen laufen aber auf Hochtouren. „Bei so einem großen Projekt ist es logisch, dass im Vorfeld entsprechende Analysen und Gespräche mit den Beteiligten notwendig sind“, sagt Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ).

Bei Detailfragen drückt er auf die Bremse. Klar ist: Es sind Rad-Highways geplant - die Fachleute sagen Radschnellwege dazu. Am Stadtrand und in einem neuen Stadtteil wie Graz-Reininghaus lässt sich das einfach umsetzen, im innerstädtischen Bereich nicht: Man kann die Straßen dort nicht verbreitern, weil am Straßenrand Häuser stehen. An diesem Punkt wird es politisch brisant: Der Straßenraum muss neu aufgeteilt werden. Das heißt: weniger Platz für Autos.

Parkplätze sollen unter die Erde verlegt werden
Wie soll das funktionieren? „Wenn wir die Parkplätze unter die Erde verlegen, haben wir an der Oberfläche mehr Platz“, erklärt der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) seinen Ansatz. Ein Rad-Highway soll die Standorte der TU Graz verbinden. In der Mandellstraße und in der Petersgasse müssten dafür insgesamt 140 Parkplätze gestrichen werden. Dafür soll beim Sacré Coeur eine Anrainergarage errichtet werden - die „Krone“ hat erst kürzlich darüber berichtet.

Am Joanneumring ist der Lückenschluss des Ring-Radwegs geplant. Auch dort sollen nur oberflächlich betrachtet Parkplätze wegfallen, auch dort gibt es bekanntlich Pläne für eine Garage. Was aber wäre, wenn auch eine Auto-Spur wegfiele? Die Aufregung wäre groß! Zwar würden immer noch zwei übrig bleiben, das würde aber wohl dennoch mehr Stau bedeuten - zumindest in der Rushhour.

Weniger Autos in der Feinstaub-Stadt
Man kann es auch so sehen: In der Feinstaub-Stadt Graz wäre es gut, wenn nicht so viele Menschen mit dem Auto fahren würden - vor allem in die Stadt hinein. 100.000 Menschen pendeln täglich nach Graz - die große Mehrheit mit dem Auto. Damit sich das ändert, muss auch das Öffi-Netz massiv ausbaut werden. Und das ist ja auch so geplant!

Ernst Grabenwarter

Ernst Grabenwarter
Ernst Grabenwarter
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