07.11.2020 06:00 |

Lockdown ohne Wirkung?

Sorge vor Mitte November wird zunehmend größer

Zuletzt erreichte die Zahl an nachgewiesenen Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Österreich neue Höchstwerte - alleine am Freitag musste man 6464 neue Fälle sowie 72 Covid-Todesfälle vermelden. Es scheint, als würde der neuerliche „Lockdown light“ noch keine Auswirkungen zeigen. Zusätzlich brisant: Nur ein Viertel der Infektionsfälle war mittlerweile mittels Contact Tracing nachverfolgbar. Ob die Spitäler die ebenso steigenden Patientenzahlen letztlich noch bewältigen können, bleibt fraglich - so mehrt sich die Sorge vor den kommenden Wochen.

Seit März starben 1340 Österreicher an Covid-19 - ein Viertel davon in den vergangenen zehn Tagen. Mit 72 am Freitag hat sich die Zahl der Todesfälle binnen zwei Tagen verdoppelt. „Die zweite Welle ist stärker und gewaltiger“, sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Die Zahl der Neuinfektionen sank auf 6464 – nach einer Spitze aufgrund von Nachmeldungen von 7400 am Donnerstag. Vor einem Monat lag die Zahl bei 750.

Altersschnitt verändert sich wieder
Ein Grund für die steigenden Todeszahlen: Waren es im Sommer viele junge Menschen, die sich ansteckten, verschiebt sich nun der Altersschnitt hin zu den Risikogruppen. Aktuell liegt er bei 43 Jahren. „Wir merken in Alten- und Pflegeheimen eine deutlich steigende Zahl an Fällen“, sagt Anschober. Deshalb habe man im zweiten Lockdown diese Bereiche unter anderem mit Besuchseinschränkungen extra geschützt. Zudem werden drei Millionen Antigentests ausgeliefert, um Mitarbeiter und Bewohner wöchentlich auf Covid zu testen. Weitere Maßnahmen würden derzeit erarbeitet.

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Wir haben deutlich über 1,2 Millionen Todesfälle weltweit. Das ist schon sehr, sehr dramatisch. Ich würde mir wünschen, dass sich die Skeptiker diese Zahlen einmal ein bisschen näher ansehen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne)

Zum Problem wird das Contact Tracing: Nur ein Viertel (27 Prozent) der Fälle lässt sich zu ihrem Ursprung zurückverfolgen. In der Vorwoche war es noch die Hälfte. Das liegt einerseits an überlasteten Gesundheitsbehörden: Die Zuordnung der Fälle beansprucht bei täglich mehreren Tausend neuen Infektionsfällen deutlich mehr Zeit. Zum anderen, so der Minister, würden „Menschen am Telefon falsche Angaben machen“.

Intensivstationen vor Belastungsprobe
Ob der Lockdown die Zahlen senkt, wird sich frühestens in einer Woche zeigen. „Im Frühling sind mehr als 14 Tage vergangen“, sagt Anschober. Für die Intensivstationen wird das eng: In der zweiten Novemberhälfte bewegt man sich in Richtung Kapazitätsgrenzen. „Die Auswahlsituation zwischen Covid, Unfall und Herzinfarkt darf es nicht geben“, so der Minister. Um das zu verhindern, könnte der Lockdown verschärft werden.

In einer Woche berät die Regierung über weitere Schritte. Zuletzt war über Schulschließungen und strengere Ausgangsbeschränkungen spekuliert worden.

Teresa-Antonia Spari, Kronen Zeitung

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