30.09.2020 06:00 |

423 Schulabmeldungen:

Unterricht zu Hause aus Angst vor Corona

Schulabmeldungen auf neuem Rekordniveau: Gleich 423 steirische Kinder bleiben heuer daheim, das bedeutet ein Plus von 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten orten Virus-Angst als Verursacher.

Nicht das Läuten der Schulglocke, sondern der Ruf der Mutter signalisiert dem 7-jährigen Samuel, das nun der Unterricht los geht. Er ist einer von 423 jungen Steirern, für die das heurige Semester auf der Haus- statt der Schulbank begonnen hat.

Angst vor Ansteckung
Eine absolute Rekordzahl: „Das Interesse an dem Thema ist parallel mit der Corona-Krise stetig gewachsen“, berichtet etwa Ilse Schmid, Präsidentin des steirischen Elternverbandes. Ein Eindruck, den Schulpsychologe Josef Zollneritsch, untermauert: „Manche Erziehungsberechtigte meinen, in Zeiten wie diesen sei ein Schulbesuch viel zu gefährlich, weshalb sie ihre Kinder gleich zu Hause lassen.“

Bildungsrelikt aus dem 18. Jahrhundert
Der häusliche Unterricht ist ein Überbleibsel aus der Zeit Maria Theresias. Damals wurde nämlich keine Schul-, sondern lediglich eine Unterrichtspflicht eingeführt. In der Monarchie war es ein Privileg für Adelige, Privatlehrer zu engagieren. Heute sind die Motive, warum man seinen Nachwuchs nicht zur Schule schickt, völlig andere: „Unzufriedenheit mit dem Schulsystem, Sorge vor der noch nicht ausgebildeten Schulreife des Kindes oder eben wie zuletzt gesundheitliche Gründe - das sind die Hauptargumente der Eltern“, heißt es dazu aus der Bildungsdirektion.

Soziales Lernen wichtig
Oft sei es auch so etwas wie ein Fluchtversuch: „Findet sich ein Kind in der Schule nicht richtig ein, wird in einem ersten Schritt gerne die Bildungsstätte gewechselt. Bringt auch das keine Verbesserung, erscheint den Betroffenen der häusliche Unterricht als beste Lösung“, erzählt Claus Kastner, langjähriger Abteilungsleiter der Bildungsregion Obersteiermark Ost.

Dass man den Kindern aber damit nicht unbedingt immer etwas Gutes tut, davon ist Zollneritsch überzeugt: „Die soziale Komponente ist ein wichtiger Teil der schulischen Bildung, die kommt im Einzelunterricht aber leider oft viel zu kurz“, weiß der Experte.

Vorkenntnisse nicht notwendig
Während Lehrer bekanntlich ein mehrjähriges Studium abgeschlossen haben müssen, hat der Zuhause-Lehrende übrigens keinerlei Vorkenntnisse mitzubringen: „Wir können nur im absoluten Ausnahmefall den häuslichen Unterricht untersagen“, sagt Zollneritsch.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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