steirischer herbst

Rede der Intendantin eröffnet das Festival

Steiermark
24.09.2020 17:30

Der steirische herbst ist offiziell eröffnet. Während der Großteil des Publikums mit einer Online-Rede, übertragen auf 100 Bildschirme, abgespeist wurde, blieb es einer privilegierten Minderheit vorbehalten, die Worte, mit denen Ekaterina Degot den steirischen herbst eröffnet hat, auch live vor dem Grazer Orpheum mitzuerleben. Und genau diese exklusiven Privilegien der Eliten machte die Intendantin dann auch zu ihrem Thema.

Der herbst sei ein „avantgardistisches Unternehmen: für die Wenigen und durch die Wenigen“, sagt Ekaterina Degot in ihrer Ansprache zur Eröffnung des Festivals - und das just in einem Jahr, in dem das Festival durch die Corona-bedingte Übersiedelung in den digitalen Raum den Großteil des Programmes gratis und weltweit zur Verfügung steht.

Dass diese Öffnung trügerisch ist, ist auch Degot bewusst: „Der zeitgenössischen Kunst haftet ein deutlicher Ausschluss an“, sagt sie. Auch weil die Avantgarde keine reaktionären Positionen verträgt und nach der radikalen Zeitgenossenschaft sucht. Daran scheint sich auch dadurch nichts zu ändern, dass wir weltweit „die gleiche Zerreißprobe durchlaufen“. Die „Magie des Jetzt“ , die man etwa bei einer Festivaleröffnung erleben kann, werde dadurch noch mehr zum Luxusgut.

Ekaterina Degot, Intendantin des steirischen herbst (Bild: Sepp Pail)
Ekaterina Degot, Intendantin des steirischen herbst

Doch auch wenn die Kunst „von so vielen Ungleichheiten in ihrer Grundstruktur befleckt ist“, sieht Degot in ihr eine mögliche Rettung: „In der Kunst geht es immer um eine bessere Welt. Sie hat Perspektive.“

Erste Projekte
Diese Perspektiven finden sich zum einen im realen Raum: Unauffällig fügen sich die Installationen der Künstler ins Stadtbild. Aufmerksamkeit erzeugt einzig Akinbode Akinbiyis Photo-Box am Eisernen Tor. Hier kann man um 1 Euro ein Foto von sich machen, das kombiniert mit Bildern aus dem Archiv des Künstlers ausgeworfen wird. So wird man Teil einer Geschichte, über die es sich lohnt nachzudenken. Ein angenehm niederschwelliger Zugang.

In der Paranoia.TV-Zentrale in der Herrengasse sind Werke von Igor Samolet zu sehen. (Bild: Mathias Voelzke)
In der Paranoia.TV-Zentrale in der Herrengasse sind Werke von Igor Samolet zu sehen.

Vadim Fishkins miteinander kommunizierende Straßenlaternen erwecken Sehnsucht nach Orten, die man zurzeit nur in der Fantasie aufsuchen kann. Subtile Eingriffe unternimmt Lawrence Abu Hamdan in den Sparmärkten am Bahnhof und im Kastner & Öhler. In der Paranoia.TV-Zentrale befasst sich Igor Samolet mit unserer Präsenz in sozialen Netzwerken.

Spiele, Serien und Talks in der App
Damit verlässt der herbst aber den realen Raum auch schon wieder, der Großteil des Programms findet heuer online statt. Über die App kann man sich etwa im textbasierten Spiel „Year 01“ von Alexandra Pirici und Jonas Lund einen Tag lang durch eine Welt bewegen, die von einer Erschöpfungskrankheit heimgesucht wird. An ein Computerspiel erinnern auch die Szenarien, die Rana Hamadeh im Video „The Destiny Project“ albtraumhaft heraufbeschwört.

Von hypnotischem Minimalismus ist die erste Folge der Serie „Second Looks“ von Lina Majdalanie und Rabih Mroué, in denen eine urbane Skyline in den Wolken verschwindet. Sehr vielversprechend auch die erste Folge von Ingo Niermanns 25-teiliger Satire-Serie „Deutsch Süd-Ost“ (Sprecherin: Mavie Hörbiger), in der er die Bastionen des weißen Mannes sucht. Und in der ersten Folge der „Talks“ erzählt Yanis Varoufakis von seinem ersten Roman.

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