23.07.2020 19:18 |

Gegen Russen gekämpft

Terrorprozess: Zehn Jahre Haft für Tschetschene

Am Wiener Landesgericht hat sich am Donnerstag ein Tschetschene verantworten müssen, der von 2008 bis 2013 als Kämpfer für die islamistische Terrorgruppe „Emirat Kaukasus“ gekämpft hatte und in seiner Heimat an einer Vielzahl von Anschlägen auf russische Soldaten beteiligt war. Die Anklage lautete unter anderem auf terroristische Vereinigung und mehrfachen versuchten Mord als terroristische Straftat. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Der 32-Jährige geriet seinen Angaben zufolge im September 2013 in eine Sprengfalle. Ein Sprengsatz zerfetzte ihm die linke Hand und kostete ihn das Augenlicht. Verwandte brachten ihn in weiterer Folge nach Inguschetien, von wo er nach Österreich geschleppt wurde. Hier suchte er im Juli 2017 um Asyl an.

In Russland wird seit 2010 gegen ihn ermittelt. Als hierzulande bekannt wurde, dass sich der Mann über Jahre hinweg für die Terrororganisation des inzwischen verstorbenen Doku Umarow betätigt haben soll - laut Anklage bildete der Angeklagte auch Kampfgefährten im Waffengebrauch aus und war an einem Angriff auf ein russisches Sonderbataillon beteiligt, bei dem im Dezember 2014 vier Soldaten ums Leben kamen -, wurde er in U-Haft genommen.

Vor Gericht präsentierte sich der Angeklagte als „Freiheitskämpfer“. Er habe in Tschetschenien „lange Zeit beobachtet, wie Menschen entführt und ermordet wurden“, gab er zu Protokoll. Er sei mit 20 Jahren „in die Berge gegangen“ und habe sich einer Truppe unter dem Oberkommando von Doku Umarov angeschlossen, um die lokale Bevölkerung vor den Besatzern zu schützen: „Ich wusste nicht, dass dieses Emirat ausgerufen wurde. Ich sah nur zwei Seiten. Die Zivilbevölkerung und die russischen Besatzer.“

„Auf die Seite der Schwachen gestellt“
Verteidiger Wolfgang Blaschitz bezeichnete den Angeklagten als „Soldaten, der im Sinne des Völkerrechts gehandelt hat“. Dieser habe sich in einem „Partisanenkrieg“ auf „die Seite der Schwachen“ gestellt. Dem Angeklagten sei es „um das Selbstbestimmungsrecht seines Volkes und nicht um irgendwelche terroristischen Straftaten“ gegangen: „Wir reden von Tschetschenien. Nicht von einem österreichischen Mädchenpensionat. Da ist es anders zur Sache gegangen als wir uns hier in Österreich vorstellen können.“ Sein Mandant habe „die russischen Invasoren abwehren wollen“, betonte Blaschitz. Eine radikalislamistische Gesinnung habe er „zu keinem Zeitpunkt aufgewiesen“.

Die Geschworenen befanden den Angeklagten dennoch für schuldig. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt - nicht rechtskräftig.

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