14.06.2020 14:16 |

Angst vor Wolf

Almzeit-Beginn: Bauern sind nachdenklich gestimmt

Landwirte im Pongau und Pinzgau erwarten eine Rückkehr des Wolfes in Salzburg. Nur wann wird er zum Problem? Jetzt wird über die Wirkung von Zäunen gegrübelt und ob die Maßnahmen der Politik so ausreichend sind.

Mehrere Kilometer Draht verlaufen seit April auf dem landwirtschaftlichen Grund der Gschwandtls in Großarl-Oberharbach. Nach dem Verlust von 16 Schafen durch den Wolf im vergangenen Jahr, verzichtet das Ehepaar heuer auf eine Almweide auf der Tofernalm. „Wir lassen die Tiere heuer nur bei uns“, erzählt Bäuerin Lydia Gschwandtl.

Das Land fördert seit 2020 Weidezäune unter besonderen Voraussetzungen mit bis zu 3000 Euro. „Aber damit könnten wir nur einen kleinen Teil unserer Herde einzäunen. Ein ausreichender Zaun kostet um die 8000 Euro“, schätzt Gschwandtl. Das Zaunprojekt in Eigenregie soll nun zumindest ein kleines bisschen Schutz gewährleisten. Doch „eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie, egal mit welchem Zaun“, ergänzt ihr Mann Ambros.

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Ein ausreichender Zaun kostet bis zu 8000 Euro.

Lydia Gschwandtl

Am Lehengut von Birgit Laner am Reitsamberg in Pfarrwerfen steht bereits seit drei Jahren ein professioneller Wolfszaun. „Heuer haben wir ihn mit der Förderung aufgestockt“, sagt Laner. „Natürlich ist das gut gemeint. Das Land tut, was es kann.“ Viel dringender sei jedoch eine Änderung des Schutzstatus’ des Wolfes im Tierschutzgesetz, meint Laner. Wenngleich die 33-Jährige betont: „Niemand will den Wolf gänzlich ausrotten.“ Doch Prioritäten seien notwendig. „Will man eine qualitative Landwirtschaft oder einen Wolf?“, fragt Laner. Bis spätestens Ende Juni erwartet Wolfsbeauftragter Hubert Stock eine Entscheidung über die Abschussfrage rund um den Problemwolf.

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Will man eine qualitative Landwirtschaft oder einen Wolf?

Bäuerin Birgit Laner

Hinter der praktischen Umsetzung eines Abschusses steht jedoch ein Fragezeichen. So gilt ein Wolf ab 25 verletzten oder getöteten Tieren pro Monat laut Definition des Landes als Problemwolf. „Es ist in der Praxis schwierig zu erkennen, ob es sich um einen solchen Wolf handelt“, gibt auch Stock zu.


Das Land ermöglicht Bauern heuer die Peilung von Schafen. Die Tiere von Rupert Prommegger aus Hüttschlag, ebenfalls Geschädigter im Jahr 2019, tragen nun GPS-Halsbänder. „Die Angst bleibt trotzdem“, so der Pongauer. Doch nicht nur im Pongau sind Bauern verunsichert. Steinschafzüchter Wolfgang Riess aus Lend-Embach glaubt fest an die Rückkehr des Wolfes. „Ich will bis Herbst mit meinem Zaun fertig sein. Man klammert sich an jeden Strohhalm.“ 

Wolfsbeuaftragter Hubert Stock erklärt die Förderung im „Krone“-Gespräch.

Nikolaus Pichler
Nikolaus Pichler
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