23.05.2020 11:00 |

Kein Rechtsverstoß

Salsaschwünge mitten in Innsbruck erhitzen Gemüter

Eine Tanzeinheit beim Marktplatz in Innsbruck hat für Verwunderung. Laut der Tiroler Polizei liege jedoch kein Verstoß gegen die Verordnung vor. Denn der Kurs war als Versammlung und nicht als Veranstaltung angemeldet.

Im Gastgarten eines Restaurants in Innsbruck herrschte am Donnerstagnachmittag enormer Ansturm. Doch da laut Verordnung jeder zweite Tisch gesperrt war, mussten viele Gäste abgewiesen werden - zur Enttäuschung der Inhaber und der Abgewiesenen. Nur wenige Meter weiter - am Marktplatz - zeigte sich ein gänzlich anderes Bild. Rund 70 Frauen und Männer tanzten ausgelassen zu Salsa-Klängen, ein Vortänzer zeigte ihnen auf einer kleinen Bühne die genauen Schrittkombinationen vor.

Niemand hatte das Gefühl, weggeschickt zu werden, jeder war willkommen. Kreise am Boden zeigten den Tanzbegeisterten, in welchem Bereich sie sich bewegen durften. Mit Erfolg: Der Sicherheitsabstand wurde überwiegend eingehalten. Dicht an dicht standen hingegen einige Zuschauer, die sich das Spektakel auf keinen Fall entgehen lassen wollten.

„Kurs verstößt nicht gegen Rechtsordnung“
Doch wie ist es möglich, ein derartiges Freiluft-Event abzuhalten, wo in der gültigen Lockerungsverordnung steht, dass Veranstaltungen in dieser Größenordnung im Freien nicht erlaubt sind? Die Antwort darauf weiß Georg Köll, Polizeijurist in der Sicherheitsverwaltung der Landespolizeidirektion Tirol: „Es ist korrekt, dass Veranstaltungen untersagt sind. Ausgenommen davon sind jedoch Versammlungen bzw. Demonstrationen. Diese beruhen auf Staatsgrundgesetzen der österreichischen Demokratie, wie etwa der Versammlungsfreiheit. Der Salsakurs war als Versammlung angemeldet, aus diesem Grund konnte er auch ausgeübt werden. Zudem verstößt der Kurs nicht gegen die Rechtsordnung. Die Benützung des Marktplatzes hat das Stadtmagistrat Innsbruck genehmigt.“

„Leiter übernimmt die volle Verantwortung“
Der Versammlungsleiter sei darauf hingewiesen worden, die gesundheitspolizeilichen Vorschriften, wie etwa das Einhalten des Abstandes, umzusetzen. „Er ist es auch, der für diese angemeldete Versammlung verantwortlich ist. Wir schreiten nur ein, wenn die Situation eskaliert, was hier nicht der Fall war“, erklärt Köll. Bezüglich der Zuseher dürfte sich der Versammlungsleiter nicht zuständig gefühlt haben. „Da kein Gefährdungspotenzial zu erwarten war, haben wir als Polizei im Rahmen einer Funkstreife vorbeigeschaut“, sagt Köll.

„Auch wir nützen dieses Schlupfloch
Der Salsakurs wurde somit regelkonform abgehalten, dennoch sorgt diese Aktion für Unmut - und zwar bei Stephanie M. Holzer, Marketingleitung des Fitnessstudios Happy Fitness: „Wir suchen seit Wochen um eine Genehmigung für einen Fitnesskurs im Freien an, doch bisher ohne Erfolg. Es hieß stets von allen zuständigen Stellen, dass dies nicht möglich sei. Eine Aussage, die jedoch nicht ganz korrekt sein kann, wie der Salsakurs zeigt.“

„Krone“: Ein Salsakurs am Marktplatz darf stattfinden, die freien Flächen Ihres Fitnessstudios müssen leer bleiben. Ist das nachvollziehbar?
Stephanie Holzer: Nein. Wir haben im Freien viel Platz, die Teilnehmer könnten sogar zwei Meter Abstand voneinander halten. 

Wie sieht es ab dem 29. Mai aus, wenn Sie Ihr Studio wieder öffnen dürfen?
Ab diesem Zeitpunkt ist es uns zwar erlaubt, Outdoor-Kurse zu machen, doch nur mit einer begrenzten Teilnehmerzahl von neun Personen plus Fitnesstrainer. Ich will keinen anschwärzen, aber hier stimmt die Relation nicht.

Wie sieht Ihr Plan aus?
Auch wir nützen nun dieses Schlupfloch und melden nächste Woche eine Versammlung für mehr Gesundheit und Lebensfreude an. Das wird ein kostenloser Fitnesskurs für jeden. Alle Details gibt es unter www.happyfitness.at

Fühlen Sie sich prinzipiell im Stich gelassen?
Ja. Wir sind seit 37 Jahren ein Tiroler Traditionsbetrieb und somit eine wirtschaftstreibende Kraft. Alle mittelständischen Betriebe werden derzeit im Stich gelassen. Die großen Firmen finden immer ein Schlupfloch, auf der Strecke bleiben alle anderen.

Was sagen Sie zur späten Öffnung der Fitnessstudios?
Das ist mir ein Rätsel. In einem Fitnessstudio mit 4000 Quadratmeter ist es nicht allzu schwer, alles so zu gestalten, dass die Mitglieder unter Einhaltung der Maßnahmen geschützt trainieren können.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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