05.04.2020 06:00 |

Job auf Corona-Station

Der Kampf gegen den unbekannten Feind

Sie sind extremsten körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt - jene Menschen, die jetzt in Corona-Stationen arbeiten. Die „Krone“ sprach mit einem Arzt und einem Krankenpfleger.

Bis vor ein paar Monaten hätte es wahrscheinlich total absurd geschienen. Nun ist es Normalität. Wenn Krankenpfleger Michael Müller frühmorgens seinen Dienst im Uniklinikum Salzburg antritt, geht er - nachdem er seine Zivilkleidung gegen einen Schutzanzug gewechselt hat - durch eine neu errichtete Schleuse. Die in eine vom Spital völlig abgeschottete Station führt. Corona-Patienten werden dort behandelt.

„Langsam lernen wir, das Virus zu lesen“
„Mein Job“, berichtet der 40-Jährige, „hat sich in den vergangenen Wochen natürlich verändert.“ Früher habe er nämlich meist schon vor Arbeitsbeginn abschätzen können, welche Aufgaben ihn erwarten würden, „das ist jetzt nicht mehr so“.

Menschen, die während der letzten Schicht noch als stabil gegolten hatten, „sind plötzlich in einem dramatischen Zustand“. Denn Covid-19 - sei eben „ein unbekannter Feind“.

„Fiebersenker und Antibiotika helfen“
„Aber langsam, in kleinen Schritten“, erklärt Patrick Morre, bis zum Ausbruch der Krise Oberarzt in der Internen Abteilung des Krankenhauses, „lernen wir, ihn zu lesen“. Fiebersenkende Medikamente und Antibiotika „sprechen beim Großteil der Betroffenen gut an“. Aber es gibt sie. Erkrankte, die an dem Virus sterben.

Wie sind diese Dramen für die Helfer verkraftbar? „Natürlich schwer“, sagt Michael Müller. Was ihn stark macht: „Zu spüren, dass ich Patienten in ihrer immensen Not, in ihrer Todesangst, eine Stütze bin. Ich versuche, sie zu beruhigen. Indem ich ihnen wahre Geschichten über Heilungen erzähle.“

„Ich fürchte mich nicht vor einer Ansteckung“
Und er selbst? „Ich fürchte mich nicht vor einer Ansteckung. Sonst wäre ich hier fehl am Platz.“

Die Vorsichtsmaßnahmen, die er aufgrund seines Risikoberufs privat trifft, „sind genau dieselben, die jeder verantwortungsvolle Bürger einhalten sollte. Ich bin nur noch mit meinen engsten Familienmitgliedern in Kontakt.“ Mit seiner Frau, einer Krankenpflegerin; den drei gemeinsamen Kindern - sie sind zehn, sieben und fünf - „einer von uns beiden ist immer bei ihnen“.

Klar, es tue weh, liebe Freunde und die Schwiegereltern nicht mehr treffen zu dürfen, „aber diese Einschränkungen sind dringend notwendig. Um eine allzu große Verbreitung des Virus zu verhindern.“

Michael Müller macht es wütend, „wenn ich auf der Straße Leute sehe, die lachend in Gruppen unterwegs sind - und einfach nicht kapieren, dass sie mit ihrem Verhalten Menschenleben gefährden“.

„Das Virus trifft auch die Jungen und Fitten“
„Das Virus ist nicht harmlos“, appelliert Mediziner Patrick Morre, „und nein, es trifft nicht ,bloß‘ alte Menschen mit Vorerkrankungen - sondern auch die Jungen und Fitten. Warum ist das so schwer zu begreifen?" Der 31-Jährige sieht es jeden Tag in der Klinik, „dass niemand vor Corona - und seinen mitunter grauenhaften Folgen - geschützt ist“.

Derzeit sei die Spezialstation im Uniklinikum Salzburg mit etwa 60 Patienten belegt, die Kapazität des Spitals ließe die Versorgung von dreimal mehr Erkrankten zu. Mit der Möglichkeit, sie in einer eigens eingerichteten Intensivstation unterzubringen. „Fest steht“, so Pfleger Michael Müller, „in nächster Zukunft wird unsere Abteilung ausgelastet sein.“

„Es gibt die Geheilten - und es sind viele“
Denn der Höhepunkt der Covid-19-Welle stehe freilich erst bevor. Wie bereitet sich Patrick Morre auf den erwarteten Ausnahmezustand vor? „Ich hoffe, dass ich niemals - wie Kollegen aus dem Ausland, etwa in Italien und Spanien - die Entscheidung treffen muss, wer an ein Beatmungsgerät angeschlossen wird und wer nicht.“

Zuversicht gibt dem Arzt, „dass Corona-Infizierte, die mit fürchterlichsten Symptomen in unserer Klinik aufgenommen wurden, also dem Tod schon ganz nahe waren, mittlerweile wieder gesund sind“. Und das seien „sogar ziemlich viele“.

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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