01.03.2020 16:20 |

Keine Panik im Pinzgau

Corona-Fall in Salzburg: Das Leben geht weiter

Jetzt hat das Coronavirus auch Salzburg erwischt. Eine 36-Jährige steht nun zusammen mit der Familie ihres Lebensgefährten unter Hausquarantäne in Fusch im Pinzgau. Der Fall rund um die Infektionspatientin ist seither das einzige Gesprächsthema in der kleinen Gemeinde am Fuße des Großglockners. Doch in Panik will man dort nicht verfallen. Ein Lokalaugenschein.

Am Tag nach der Meldung über den Coronavirus-Fall in Fusch sperrt Bürgermeister Hannes Schernthaner (34) die Türen des Gemeindeamts um 9 Uhr auf. „Es gibt immer etwas zu tun“, lacht der Ortschef. Auch ein Sonntag wie dieser sei darum ein normaler Arbeitstag für den Fuscher. Selbstverständlich sei Corona „das Gesprächsthema Nummer 1 bei uns“, sagt Schernthaner in seinem Büro, während er ein Desinfektionsmittel-Fläschen auf den Tisch in seinem Büro stellt. „Aber Hysterie gibt es trotzdem keine bei uns“, wie der 34-Jährige beruhigt. Die Nachricht rund um den Corona-Fall in Fusch müsse man „mit dem richtigen Augenmaß“ betrachten.

„Man kann auch weiterhin zu uns kommen“
Seit eine Wienerin wegen einer Corona-Infektion zusammen mit der einheimischen Familie ihres Lebensgefährten unter Hausquarantäne in dem 700-Seelen-Ort steht, klingelt Schernthaners Handy ununterbrochen. Der Ortschef muss seine Bürger und Fremdenverkehrsunternehmer beruhigen. Die Panik ist laut ihm jedoch unangebracht: „Man kann auch weiterhin zu uns kommen“, betont er. Weil die Corona-Patientin unter Quarantäne steht, bestehe keine Gefahr für Einheimische und Skiurlauber.

Tourismus ist im Ort omnipräsent. Wer auf den Dorfplatz tritt, blickt in diesen Tagen auf das verschneite Gebirge, in den Straßen führen Wegweiser zu Skiverleihen und Schilder zum Schausägewerk Mühlauersäge. „Als kleine Gemeinde leben wir vom Tourismus.“

Familie in Quarantäne soll es an nichts fehlen
Schernthaner hat die Versorgung der Familie nun zumindest am Wochenende zur Chefsache erklärt. „Ich habe ihnen am Samstag einen Korb mit Einweghandschuhen, Desinfektionsmitteln und medizinischer Seife gebracht.“ Unter der Woche übernehmen Gemeindemitarbeiter die Bring- und Botengänge. Überfordern will er die Patientin und die drei Familienmitglieder jedoch nicht. Die Fuscher hat er dazu angehalten, es mit gut gemeinten Gaben nicht zu übertreiben. Trotzdem soll es den vier Österreichern an nichts fehlen. „Keine Bescheidenheit“, ließ der Ortschef seine Angestellten wissen.

„Man soll das alles nicht zu viel dramatisieren“
Dabei kann er auf Ulrike Holleis zählen. Schernthaners Gaben aus dem Korb stammen aus ihrer Apotheke in Zell am See. „Er hat mich am Samstag angerufen und gefragt, ob er auf mich zählen kann“, sagt Holleis. Am Sonntag mischte die Pharmazeutin bereits erneut 60 Liter Desinfektionsmittel zusammen - nicht nur wegen der Situation in Bruck. „Ich glaube, uns steht noch etwas Größeres bevor“, meint Holleis. Sie geht von weiteren Infektionen im Pinzgau aus. „Völlig normal bei solchen Epidemien“, meint sie. Auch darum will in Fusch niemand in panikartige Zustände verfallen. Pensionsbesitzerin Rosemarie Wallner bringt es auf den Punkt. „Man soll das alles nicht zu viel dramatisieren.“

Nikolaus Pichler
Nikolaus Pichler
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