„Schüssel-Trick“ in NÖ

SPÖ hievt Freiheitlichen in Bürgermeister-Sessel

Der Verlust von absoluten Mehrheiten führt aktuell in vielen niederösterreichischen Gemeinden zu Umstürzen. In Bad Großpertholz, Bezirk Gmünd, sorgt dieser Umstand aber für ein veritables Polit-Beben. Die zweitplatzierte Sozialdemokratie hievt dort voraussichtlich Hermann Hahn (FP) vom dritten Platz in den Bürgermeister-Sessel. Die VP tobt!

„Im Waldviertel herrschen oft ganz eigene Gesetze.“ Diesen Umstand haben sich die Entscheidungsträger der bisherigen Opposition in Bad Großpertholz wohl zu Herzen genommen und bastelten an einer Polit-Bombe. Nachdem die VP ihre absolute Mehrheit verloren hat, will nun die zweitplatzierte SP rund um Spitzenkandidat Josef Scharinger den Chef der Freiheitlichen, Hermann Hahn, zum Bürgermeister küren.

Hahn ist beliebter Szene-Gastronom und landete bei der Gemeinderatswahl auf dem dritten Platz. Mit dem Trick von Alt-Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) will er nun den beschaulichen Kurort umkrempeln: „Wir wollen reinen Tisch machen und die Gemeindeführung fachlich auf ein zeitgemäßes Niveau bringen“, erklärt Hahn. Als erster Gratulant stellte sich Landesrat und FP-Stratege Gottfried Waldhäusl ein. Er sagt: „Ich kenne Hermann schon lange, er steht für Sachpolitik und inhaltliche Arbeit.“ Die Volkspartei sieht indes einen Skandal und kritisiert die SP als „Steigbügelhalter“.

Wenn der Dritte der Erste ist ...
Seit mehr als zehn Jahren wird gemutmaßt: Gottfried Waldhäusl könnte es in Waidhofen an der Thaya schaffen, der - inzwischen bei den Freiheitlichen ausgeschlossene - Martin Huber aus Blindenmarkt war auch immer im Gespräch. Jetzt kommt es für viele politische Beobachter doch überraschend: Hermann Hahn wird in Bad Großpertholz - für die halbe Legislaturperiode - der erste freiheitliche Bürgermeister Niederösterreichs.

Die Ausgangssituation: Die Volkspartei hält in dem Kurort die meisten Sitze, hat aber bei der aktuellen Wahl im Jänner mit einem satten Minus die Rechnung für die Arbeit der Bürgermeistergenerationen davor erhalten. Die Sozialdemokraten halten Platz zwei. Hermann Hahn, der seit mehr als zehn Jahren auch nebenbei als Gastronom tätig ist, gilt als konstruktiv und thematisch alternativ.

Die Vertreter der VP toben. Es ist klar, dass die größte Partei im Ort auch regieren möchte. Doch auch das ist Teil der Demokratie: Wer keine absolute Mehrheit hat, kann vom Platz eins auf die Oppositionsbank versetzt werden. Aber das ist der Volkspartei seit dem Jahr 2000, als Wolfgang Schüssel Kanzler wurde, ohnehin bekannt.

Josef Poyer und Lukas Lusetzky (Kommentar), Kronen Zeitung

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