17.02.2020 08:45 |

„The Slow Rush“

Tame Impala: Die großen Erwartungen voll erfüllt

Die Karriere, die Tame Impala in den letzten Jahren inlegte ist beeindruckend. Obwohl in die Fachpresse und viele Fans bereits auf das Pop-Podest hieven, gilt er vielen immer noch als großer Unbekannter. Das neue Album „The Slow Rush“ sollte das nachhaltig ändern können.

Welche Erwartungen Tame Impala geweckt haben, lässt sich gut an den Musikern ablesen, mit denen die Band um Kevin Parker in einem Atemzug genannt wird. In einem Ranking der meisterwarteten Alben 2020 des „Rolling Stone“ findet sich der Name neben The Cure, Foo Fighters, Ozzy Osbourne, Pet Shop Boys und Lana Del Rey. Mit „The Slow Rush“ erfüllen die Australier die Erwartungen voll.

Traumatische Aufnahmen
Fünf Jahre nach dem Erfolgsalbum „Currents“ und gut eine Dekade nach dem Debüt „Innerspeaker“ darf man sich zu der These versteigen, dass über das vierte Studioalbum der Band noch gesprochen werden wird. „The Slow Rush“ ist ohne Zweifel das vielschichtigste Werk des Projekts von Multiinstrumentalist und Sänger Parker, das nur bei Konzerten als Band auftritt. Außerdem ist die Platte weitestgehend tanzbar. Dabei gestalteten sich die Aufnahmen nicht gerade einfach, ja teils traumatisch.

Ende 2018 rettete sich Parker nur mit Glück und sprichwörtlich in letzter Sekunde vor dem verheerenden Brand im kalifornischen Malibu. „Ich schlafe normalerweise ein wenig länger, deshalb hatte ich wirklich Glück, an diesem Tag so früh aufgewacht zu sein“, zitierte „Seven West Media“ den Musiker, der in Malibu für Aufnahmen von „The Slow Rush“ ein Haus gemietet hatte.

Spendenfreudig
Abgesehen von einem Laptop und einer Gitarre verlor Parker sein dort gelagertes Musik-Equipment, zahlreiche Menschen ließen damals aber sogar ihr Leben. In das Album haben sich diese Erlebnisse nicht hörbar eingeschrieben. Doch als jüngst auch in Parkers australischer Heimat die Flammen tobten, kündigte er schnell eine hohe Spende für die Brandbekämpfung an.

Der „Los Angeles Times“ erzählte Parker, welche Lebensereignisse die Arbeit am Album prägten: Die Heirat mit seiner Freundin Sophie Lawrence - und der Download der App „FaceApp“, die anzeigt, wie man angeblich im Alter aussehen wird. „Das Gefühl, dass Zeit vergangen ist und du es nicht mal registriert hast - das ist das treibende Gefühl dieser Platte“, sagte Parker der US-Zeitung. Fünf Jahre Pause zwischen „Currents“ und dem neuen Album waren demnach nicht geplant. Dass Parker aber plötzlich auch bei Popstars wie Lady Gaga oder Kanye West gefragt war, machte die verfügbare Zeit für das eigene Album knapper.

Klangwelt erweitert
Die Platte klingt nun an vielen Stellen zugleich neu und vertraut. Parker hat den Psychedelic-Rock-Sound früherer Jahre angereichert und ausgebaut. Und überall - mal verborgen, mal stärker im Vordergrund - scheint das Erbe der Populärmusik vergangener Jahrzehnte durchzuklingen. Das Resultat ist eine eigene, charakteristische Klangwelt.

Einige Stücke sind sehr elektronisch, sphärisch, beatlastig und von Synthie-Sound geprägt. „Posthumous Forgiveness“ etwa, ein Stück, das sich an Parkers verstorbenen Vater richtet, der im Tod plötzlich nahbarer wird, führt das dennoch zusammen mit dem Musikerbe der 60er und 70er: Organisch-warmer Schlagzeugsound, kurzes Gitarrenintro, das fast von Led Zeppelin stammen könnte, Orgeln - verfremdet mit elektronischen Effekten.

Mut zur Komplexität
Auch in „Tommorrows Dust“ koexistiert das Neue mit dem Klang früherer Zeiten. Nach einem Akustikgitarren-Intro geht es polyrhytmisch weiter - das Schlagzeug spielt einen Dreivierteltakt, während die Grundmelodie im Viervierteltakt läuft. Das erzeugt eine ganz eigene Spannung, auf die sonst etwa in Spielarten des Jazz gern gesetzt wird. Hier paart sich anspruchsvolles Songwriting mit dem Mut, ganz unterschiedliche Einflüsse zu mischen und „zum Tanzen“ zu bringen.

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