04.01.2020 11:30 |

Besondere Sternsinger

Die drei Könige aus der himmlischen WG

Sie kommen aus dem Morgenland, reisen gerne als Trio und folgen einem Stern. 10.000 Heilige Könige sind derzeit in Tirol unterwegs. In Mils bei Hall verbindet die göttlichen Botschafter ein besonders inniges Band. 

Irgendwo im Morgenland zwischen Hall und Mils, Haus Nummer 5. Die unscheinbare Holztür lässt nicht erahnen, welch wunderbare Welt sich dahinter auftut. Es ist das Königreich von Angelika Heiss, Christian Pohl und Markus Hochmuth.

Hier leben sie also, die Heiligen Drei Könige von Mils. In einer Wohngemeinschaft. Gerade bereiten sie sich auf ihre Reise vor. Die Krone sitzt, der Stern glänzt, die Stimmbänder sind geölt. Gleich geht es hinaus, um die Botschaft von der Geburt Christi in die Häuser zu tragen. Eine Mission, die das Trio seit mehr als 20 Jahren gemeinsam erfüllt. Das ist in dieser Konstellation wohl einzigartig in Tirol. Stolz präsentieren die drei ihre Ehrenurkunden der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar.

Freundschaft über das Netzwerk St. Josef
Mag sein, dass Heiss, Pohl und Hochmuth nicht ganz dem gängigen Jobprofil eines Sternsingers entsprechen. Sind sie doch dem Kindesalter längst entwachsen. Doch seien wir uns ehrlich: So treue Botschafter muss der Himmel erst einmal finden. Die drei Freunde haben sich über das Netzwerk St. Josef in Mils kennen gelernt. Die Einrichtung begleitet Menschen mit Mehrfachbehinderung.

Handicap hin oder her – das Trio meistert das Leben (fast) ganz selbstständig. „Wir verstehen uns einfach gut. Deshalb wohnen wir zusammen“, beschreibt Heiss, wie die WG zustande kam. Ihre Mitbewohner nicken.

140 Stationen in einer Sternsinger-Saison
Jetzt müssen sie aber los. 140 Häuser wollen besucht werden. Eine große Aufgabe. Vier bis fünf Tage sind die Milser Langzeit-Weisen alljährlich unterwegs, begleitet von Erich Hagen, der als Ehrenamtlicher der Pfarre das „Taxi Royal“ lenkt. Im Sommer – das sei gewiss wie das Amen im Gebet – komme der Anruf von Angelika, berichtet Hagen. „Du Erich, heuer gehen wir aber schon wieder?“, lautet dann die alles entscheidende Frage, auf die es nur eine Antwort geben kann.

Inzwischen ist das heilige Gespann beim Haus von Bürgermeister Peter Hanser angelangt. Dieser wartet schon mit Familie und Nachbarn auf die Sternsinger. „Wenn Angelika, Christian und Markus einmal nicht kämen, dann würde etwas Wichtiges fehlen“, spricht der Ortschef von einer bedeutungsvollen Tradition im Dorf.

Ein goldener Stern krönt eine besondere Ära
„Ein Stern steht hoch am Himmelszelt. Er leuchtet für dich, er leuchtet für mich, für alle Menschen auf der Welt.“ Während die Könige ihr Lied singen, denken die Zuhörer auch darüber nach, wie wichtig und überraschend einfach Inklusion doch ist. Dann wird noch eine spätere Jause beim Bürgermeister vereinbart, bevor der Stern den Weg zum nächsten Haus weist.

Plötzlich hält Hochmuth den hölzernen Himmelskörper ins Abendlicht und verkündet stolz: „Der Stern gehört jetzt uns. Der glänzt richtig.“ Sagt’s – und geht. Dann erzählt Pohl die Geschichte vom Stern, der nun auch in die himmlische WG eingezogen ist. Ein Geschenk für die langgedienten Könige. Die Krönung einer Ära, die hoffentlich auch in Zukunft unter einem guten Stern steht. Nach Dreikönig ist vor Dreikönig – und im Sommer wird telefoniert.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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