"Krone": Fühlen Sie sich nach dem Parteitag als Siegerin?
Elke Edlinger: Ich habe in den letzten Tagen über die Zukunft der SPÖ nachgedacht und hatte keine Zeit, mich damit zu beschäftigen!
"Krone": Sie hatten nur um sieben Stimmen mehr als Wolfgang Riedler. Sieger sehen anders aus...
Edlinger: Bei Abstimmungen gibt es Mehrheiten, auch knappe. Mir ist klar, dass es an mir liegt jetzt auf jene zuzugehen, die mich nicht gewählt haben. Und das tue ich. Ich bitte einfach um eine faire Chance!
"Krone": Dennoch geht ein Riss durch die Partei. Ist der Spezialkleber angerührt?
Edlinger: Es ist nachvollziehbar, dass die Riedler-Wähler in den ersten Tagen enttäuscht sind. Aber ich habe auch schon viele positive Signale, dass das Wahlergebnis respektiert wird. Jetzt geht es um die SPÖ! Ich bringe von meiner Persönlichkeit her vieles mit, um die Partei wieder zusammenzuführen.
"Krone": Schwarz-Grün scheint unangefochten, Siegfried Nagl wirkt unschlagbar...
Edlinger: Wir haben es Schwarz und Grün in den vergangenen Jahren viel zu bequem gemacht. Wir werden deren Vorschläge in Zukunft viel konsequenter prüfen und auch verstärkt eigene Ideen einbringen.
"Krone": Was sind die Kritikpunkte an Schwarz-Grün?
Edlinger: Nagl geht mit dem Kauf von Graz-Reininghaus ein viel zu hohes finanzielles Risiko ein. Die Schwerpunktsetzungen im Budget sind falsch. Für die Integration ist Nagl seit acht Jahren verantwortlich, aber er tut nichts. In Schulen, Siedlungen und Parks gibt es nach wie vor riesige Probleme. Nagl will lieber ein Wohlfühlhaus bauen. Er betreibt eine Politik des Bänderdurchschneidens und präsentiert keine Lösungen!
"Krone": Die ÖVP meint, Sie würden nur auf Missstände hinweisen, aber als Sozialstadträtin nichts dagegen tun.
Edlinger: Ich mache keine Show-Politik wie Nagl. Die ÖVP täte gut daran zu lesen, was ich vorlege, etwa das Aktionsprogramm gegen Armut. Im Volksgarten haben wir mit viel Zähigkeit eine Verbesserung geschafft. Die ÖVP hat zwei Wochen ein Zelt aufgestellt, sich fotografieren lassen und das war's dann. Wo es Probleme gibt, in Andritz nach dem Hochwasser, in Schulen und Siedlungen mit hohen Ausländeranteilen, da ist Nagl nicht präsent!
"Krone": Sie sprechen wieder die Integrationsprobleme an. Gibt’s unter Ihnen eine schärfere Ausländerpolitik?
Edlinger: Die Menschen glauben manchmal, die SPÖ wüsste nicht, wo die Probleme liegen. Es war ein Fehler, dass wir das Selbstverständliche zu wenig ausgesprochen haben. Für alle, egal ob In- oder Ausländer muss es die gleichen Regeln geben!
"Krone": Zu einem SPÖ-Lieblingsthema, der Reichensteuer...
Edlinger: Es kann nicht sein, dass die, die am stärksten unter der Krise gelitten haben, Arbeitslose etwa, jetzt auch noch die Rechnung zahlen. Man muss die Reichen in die Pflicht nehmen.
"Krone": Wann ist jemand reich?
Edlinger: Ab einem Vermögen von etwa 500.000 Euro. Kleine Häuselbauer und Sparbuchbesitzer gehören natürlich ausgenommen.
"Krone": Wer wird Nachfolger von Riedler als Stadtrat?
Edlinger: Ich will ein völlig neues Gesicht. Die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen.
von Gerald Richter, "Steirerkrone"
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