Direkt vom "Strich"

Schwarzarbeiter überschwemmen die Steiermark

Steiermark
16.06.2010 18:11
Finanzamt, Sozialversicherung und Polizei haben in der vergangenen Woche vielen steirischen Baustellen einen unangemeldeten Besuch abgestattet - und 44 von 59 Unternehmen prompt auf dem falschen Fuß erwischt. In Krisenzeiten ist Schwarzarbeit offensichtlich gefragt wie nie. In der Steiermark herrscht verschärfter Pfusch-Alarm!

2,5 Milliarden Euro, schätzen Experten, entgehen dem Fiskus heuer allein in unserem Bundesland. Vor allem billige Taglöhner aus dem Ausland werden von Häuslbauern angeworben - mitunter auf dem "Arbeiterstrich": Am Grazer Eggenberger Gürtel (Bild) etwa warten Dutzende Hackler vor den Augen der Behörden auf potenzielle Auftraggeber.

"Vom Frühpensionisten bis zum Notstandsbezieher"
Zuletzt wurden 59 steirische Baustellen kontrolliert und insgesamt 277 Unternehmer gefilzt. Neben den 44 Beanstandungen wurden 17 illegal Beschäftigte aufgegriffen und angezeigt (es gab auch zwei Festnahmen wegen gefälschter Papiere). Tamara J. Spendel vom Finanzministerium: "Vom angeblich arbeitsunfähigen Frühpensionisten bis hin zum Notstandshilfe beziehenden Ausländer - es gibt nichts, was uns noch nicht untergekommen wäre."

"Schattenwirtschaft boomt"
Die steirische Wirtschaftskammer kennt das Problem nur zu gut. "Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben wir eine deutliche Steigerung bei der Schattenwirtschaft", bedauert Direktor Thomas Spann. "Wenn es sich nicht auszahlen würde, wäre die Deklarationsbereitschaft viel höher." Die Kämmerer wollen deshalb den Handwerkerbonus forcieren.

Daten und Fakten

  • Die meisten Schwarzarbeiter werden am Bausektor und in der Gastronomie angezeigt. 
  • Die jüngsten in der Steiermark aufgedeckten Fälle: Ein polnischer Schwarzarbeiter versteckte sich eine Stunde lang in einem Gebäude, ehe er gefunden wurde. Zwei Serben wurden kontrolliert - einer hatte einen gefälschten belgischen Reisepass, der andere einen italienischen Personalausweis bei sich. 
  • Das Modell des Handwerkerbonus sieht vor, dass Handwerkerrechnungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten im Haushalt als Absetzbetrag von der Steuerlast abgezogen werden können.

von Gerald Schwaiger, Gerhard Felbinger ("Steirerkrone") und steirerkrone.at

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