31.10.2019 10:46 |

Klarstellungsversuch

So will sich Zanger aus Liederbuch-Affäre ziehen

Die von der „Krone“ am Mittwoch aufgedeckte neue Liederbuch-Affäre rund um die steirische FPÖ sorgt rund drei Wochen vor der Landtagswahl in der Steiermark für tiefe Sorgenfalten bei den Freiheitlichen. Nachdem bisher nur lapidare Distanzierungen erfolgten, preschte am Donnerstagvormittag der Nationalratsabgeordnete Wolfgang Zanger - er hatte eigenen Angaben zufolge eine Ausgabe des Buches daheim in seinem Bücherregal - vor und versuchte via Aussendung, sich zu rechtfertigen. „Ich lehne jede Form von Rassismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus entschieden ab“, so Zanger. Er empfinde „keine inhaltliche Nähe“ zu den geschmacklosen Texten und überhaupt „hat die FPÖ nichts mit der ganzen Angelegenheit zu tun“.

Das mehrere Hundert Seiten starke Buch sei lediglich ein Geschenk gewesen, das Zanger vor vielen Jahren erhalten habe. Er sei nicht der Urheber, weshalb weder Zanger selbst noch die FPÖ inhaltlich dafür verantwortlich seien. Vielmehr handle es sich um einen politisch motivierten Versuch, der FPÖ wenige Wochen vor einer wichtigen Wahl zu schaden.

Noch am Mittwoch meinte Zanger: „Werde mich NIEMALS schämen“
Noch am Mittwochabend gab sich Zanger auf Facebook kämpferisch: „Zur Abwechslung darf ich mal wieder herhalten als Feind Nummer 1. Aber entgegen aller Erwartungen stehe ich dazu: ,Ja, ich habe dieses Buch vor Jahren als Geschenk erhalten.‘ Und ,Nein, ich habe dieses 444 Seiten NICHT in einer Abendlektüre genossen.‘ ... Aber das sind Lieder, die meine Eltern gesungen haben. Dafür werde ich mich NIEMALS schämen und auch nicht rechtfertigen!!!“

„Passagen sind widerlich“
Die steirischen Freiheitlichen dagegen - die am 24. November bei der Landtagswahl um eine Regierungsbeteiligung kämpfen - distanzierten sich deutlicher: „Die in den Medien publizierten Passagen sind widerlich und werden von den Freiheitlichen kategorisch abgelehnt. Dass ein solches Schriftstück drei Wochen vor der Wahl auftaucht, hat System und dient nur einem Zweck: der FPÖ zu schaden und sie in ein schiefes Licht zu rücken.“

Tatsächlich ist der Inhalt der Texte widerlich. So steht in dem Liederbuch, das die Pennales Corps Austria zu Knittelfeld, eine schlagende Schülerverbindung, zu ihrem 125-Jahre-Jubiläum im Jahr 2005 von der Grazer Burschenschaft Cheruskia geschenkt bekommen hatte, etwa geschrieben: „Da trat in ihre Mitte ein Römer mit deutschem Gruß, ,Heil Hitler, ihr alten Germanen, ich bin der Tacitus.‘ Da hoben die alten Germanen zum Gruße die rechte Hand: ,Heil dir, du Bruder der Achse, du bist uns anverwandt.‘ Da trat in ihre Mitte ein alter Araber-Scheich: ,Auch wir sind Indogermanen und wollen jetzt heim ins Reich!‘“

Entsetzen bei politischen Mitbewerbern
Die anderen Parteien zeigten sich entsetzt. Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) verlangte „unmissverständliche Handlungen, bevor die Steiermark in ein schlechtes Licht gerückt wird“. Solche Nachrichten schadeten nicht nur der FPÖ, sondern der ganzen Gesellschaft und dem Land. Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch appellierte an FPÖ-Bundesparteichef Norbert Hofer: „Nutzen Sie endlich Ihr Durchgriffsrecht! Rechtsextremes Gedankengut darf von niemandem toleriert werden.“

Georg Horner
Georg Horner
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