26.10.2019 18:06 |

Schlagfertig

Van Der Bellen ist ein Star im besten Sinne

Percussion-Weltstar Martin Grubinger schreibt in seiner „Krone“-Kolumne „Schlagfertig“ über den Nationalfeiertag und den österreichischen Bundespräsidenten.

Dieser Nationalfeiertag ist ein besonderer für mich. Auf Einladung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen darf ich mit einigen meiner Schlagzeug-Kollegen und den Musikern der Militärmusik Niederösterreich im Burghof der Präsidentschaftskanzlei für den Bundespräsidenten und seine Gäste aufspielen.

Ein besonderer „Spirit“ liegt an diesem Tag in der Luft. Zum einen die Angelobung der Rekruten auf dem Heldenplatz, junge Frauen und Männer, die ihre Loyalität zur Republik und seiner freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekunden und gleichzeitig ein lockeres Beisammensein des Staatsoberhaupts mit uns Bürgern.

Schon in der Vorbereitung auf diesen Nachmittag fand ich bemerkenswert, dass der Fokus dieses „Österreich-Fests“ nicht auf Protokoll oder Prominenz lag, sondern einzig der Begegnung des Bundespräsidenten und seiner Ehefrau mit den Bürgerinnen und Bürgern dienen sollte.

Während also manch Vorgänger in der Hofburg entweder außenpolitisch isoliert war und sich an manche Aspekte seiner persönlichen Vergangenheit nicht mehr erinnern konnte, oder andere das Protokoll zu einer monarchisch anmutenden Kunstfigur strapazierten, ist der jetzige Bundespräsident im besten Sinne ein Star. Er genießt das Vertrauen, das ihn zu einem wichtigen Makler zwischen den verschiedensten politischen Interessen macht.

Zum ersten Mal habe ich Alexander Van der Bellen in einem TV-Studio persönlich kennengelernt. Das war, bevor er sich entschieden hatte, für das Amt zu kandidieren. Aber ich hatte gerüchteweise gehört, dass er darüber nachdenken würde. Ich war also gespannt, wie dieser Typ so ist.

Zuerst kam ich gleich einmal eine Stunde zu spät. Es wäre sein gutes Recht gewesen, mir ordentlich den Kopf zu waschen. Aber im Gegenteil: Ein sympathisches, mildes Lächeln empfing mich. Dazu ein wirklich schönes Gespräch bei einer genussvollen Zigarette. Unser Thema damals: die Regierungsverhandlungen der Grünen mit Wolfgang Schüssels ÖVP im Jahr 2002. Im Lichte dieser Tage brandaktuell, war es damals großartig zu erfahren, welchen Eindruck der jetzige Bundespräsident von den Gesprächen hatte.

Schaut man auf die Biografie des Bundespräsidenten, ist es eine fast märchenhafte Geschichte. Und für all die jungen Menschen, die in den vergangenen Jahren, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, zu uns gekommen sind, kann es ein Quell der Inspiration und Hoffnung sein: Flüchtlingskind, aufgewachsen im Kaunertal, Studium in Innsbruck, Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, Teil einer politischen Bewegung, die zwar auf die richtigen Themen setzte, damals wohl aber selten wirklich politischen Einfluss nehmen konnte.

Zu verkrustet waren die politischen Strukturen zwischen SPÖ und ÖVP. Chef einer Partei, die es ihren Vorsitzenden nicht immer leicht machte.

Trotzdem fand er über viele Jahre die Balance und führte die Grünen zu einigen großen Wahlerfolgen. Alexander van der Bellen lebt das Präsidentenamt in Perfektion. Überparteilich und trotzdem mit klaren Ansagen, wenn diese nötig sind. Volksnah, unprätentiös und trotzdem der Würde dieses Amtes entsprechend.

Gewiss, die Angelobung von Herbert Kickl als Innenminister war aus meiner Sicht ein Fehler. Dies hat den Sicherheitsorganen schweren Schaden zugefügt. Dies würde wohl auch der Bundespräsident heute so nicht mehr unterstützen wollen. Doch blicken wir auf die Ibiza-Wirrungen und alles, was danach kam, hat der Bundespräsident den Tanker Österreich meisterhaft in ruhigere Gewässer gesteuert.

Übrigens: Getrommelt hab ich mit dem Bundespräsidenten auch schon. Unter den strengen Augen von Maria Theresia haben wir beide ordentlich „gegroovt“. Zu sehen unter: www.krone.at/salzburg

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