08.10.2019 14:00 |

Live im Wiener WUK

The Strumbellas: „Am Ende des Tunnels ist Licht“

Mit ihre Mischung aus elegisch-dunklen Texten und fröhlicher Indie-Folk-Musik haben sich die Strumbellas über die Jahre eine treue Fanbase aufgebaut. Das kanadische Sextett kommt nun für eine exklusive Österreich-Show ins Wiener WUK und garantiert einen memorablen Abend.

Beschaulicher Lagerfeuer-Indiepop hatte vor etwa fünf bis zehn Jahren seine Hochzeit. Zu einer Zeit, als Mumford & Sons noch nicht in die völlige kompositorische Belanglosigkeit abgerutscht sind und auch der vielgescholtene James Blunt sich nicht allzu sehr dem Formatradio angebiedert hat. Derzeit noch auf dem richtigen Weg befindet sich ein kanadisches Sextett namens The Strumbellas, das beim Out Of The Woods Festival (R.I.P.) in Wiesen vor zwei Jahren erstmals für größere Aufmerksamkeit in Österreich gesorgt hat. Formiert hat sich die Freundesbande 2008 im beschaulichen 20.000-Einwohner-Städtchen Lindsay bei Toronto mit dem durchaus hehren Ziel, alternativen Country mit Indiepop und Gothic-Folk zu vermengen. Das gelang in Underground-Zirkeln einige Zeit lang ganz gut, den Durchbruch schaffte die Combo 2016 aber mit dem Drittwerk „Hope“, das sich wesentlich stärker auf den Mainstream-Markt fokussierte.

Liebe zum Pop
Mit der ohrwurmträchtigen Single „Spirits“ gelang der Durchbruch auch über die Grenzen des eigenen Kontinents hinaus, Werbespots und Radios wurden mit dem prägnanten Song gefüttert, in Österreich kletterte die Band damit sogar bis auf Platz fünf der Single-Charts. „Wir haben einfach viel mehr Pop gehört“, erklärt Gitarrist Jon Hembrey den stilistischen Wechsel, der sich zwischen den Alben zwei und drei innerhalb der Band vollzog, „zum Beispiel ,1989‘ von Taylor Swift oder auch Musik von Katy Perry und Miley Cyrus. Es war auch für uns interessant zu sehen, wie eine sechsköpfige Band diese neuen Einflüsse zu ihrem eigenen Stil verarbeiten kann. Im Endeffekt ist ,Spirits‘ wohl nicht nur ein Song, den wir bis an unser Lebensende live spielen werden, sondern auch die perfekte Mischung aus unseren beiden Welten. Einerseits die alte, die mehr aus Country-Rock und traditionellen Songstrukturen bestand und andererseits die neue, die sich stärker um poppige Elemente kümmert.“

Von Ausverkauf kann bei den Strumbellas trotz der Richtungsänderung keine Rede sein, dafür fühlen sich die Kanadier in ihrem eigenen Soundkosmos viel zu wohl. Den großen Erfolg von „Hope“ konnten sie - zumindest flächendeckend - mit dem diesen März erschienenen Nachfolger „Rattlesnake“ nicht mehr wiederholen. Der Chart-Einstieg im europäischen Markt blieb ihnen bislang verwehrt, doch in ihrer Heimat hat der Kultfaktor aus politischen Gründen sogar noch zugelegt. Letzten Monat hat die liberale Partei von Premierminister Justin Trudeau den auf „Rattlesnake“ befindlichen Song „One Hand Up“ als Kampagnenhymne erwählt und mit der Band gleich noch einen weiteren Deal abgeschlossen - nämlich dieselbe Nummer auch in Französisch aufzunehmen. Anfangs wurden kritische Stimmen laut, dass man die Übersetzung schlichtweg mit dem „Google Translator“ gemacht hätte. Obwohl die Band das weder bestätigt, noch dementiert hat, nahm sie wenig später eine neue Version auf.

Dunkel und fröhlich zugleich
Für die Folk-Hippies kein großes Problem, diverse Hürden hat man schon bislang relativ locker überwunden und ging gestärkt daraus hervor. „Wir sind definitiv von unserer Heimat inspiriert. Die Meinung in dieser Band teilt vielleicht nicht jeder“, erklärt Keyboarder David Ritter, „aber du wirst immer spüren, dass wir aus einer Kleinstadt kommen. Die vielen Seen, Wälder und auch Highways können für manche Stadtmenschen schon erdrückend sein, aber unser Sound ist definitiv daraus geformt.“ Mit der geografischen Lage geht auch eine bestimmte düstere Melancholie einher, die sich gerne durch die Texte der Strumbellas schlängelt. „Unter Musikkritikern gibt es bei uns eine unausgesprochene Einigkeit, dass kanadische Musik per se dunkel ist. Kanada ist ein großer und einsamer Platz, bei dem historisch immer ein Kampf zwischen Mensch und Natur herrschte, den selbstverständlich stets die Natur gewann. Die Texte sind oft wirklich traurig, aber die Musik ist stets lebensbejahend. Am Ende unseres Tunnels gibt es immer Licht.“

Am 10. Oktober kommen die Strumbellas für ein exklusives Österreich-Konzert ins Wiener WUK. Karten erhalten Sie unter www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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