01.10.2019 13:30 |

Interview

„Für das Bundesheer ist es fünf nach zwölf“

Die „Krone“ traf Österreichs ranghöchsten Soldaten in Salzburg: General Robert Brieger sieht keinen Anlass, im Bundesland weitere Kasernen zu schließen. Auch die Spitzenjobs des Heeres seien abgesichert. Und das Salzburger Jägerbataillon 8 soll die bundesweit erste Einheit des Heeres zur Drohnenabwehr aufstellen.

Wie spät ist es für das Bundesheer: fünf vor zwölf, zwölf oder schon fünf nach zwölf?

Es ist fünf nach zwölf, weil über Jahrzehnte die notwendigen Investitionen für eine glaubwürdige Sicherheitspolitik unterblieben sind.

Wie hoch sollte das Verteidigungsbudget sein?

Das Budget sollte nächstes Jahr drei Milliarden Euro anvisieren und bis zum Jahr 2030 sukzessive auf ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes herangeführt werden. Das wären nach heutiger Prognose etwas mehr als fünf Milliarden Euro.

In Salzburg wurden drei Kasernen und ein Übungsplatz aufgelassen. Gibt es noch weitere Schließungspläne?

Es sind derzeit keine Kürzungen vorgesehen. Ich weise aber darauf hin, dass die Erhaltung der Infrastruktur mit dem jetzt in Aussicht gestellten Budget nicht möglich ist. Es bedarf auch hier einer deutlichen Erhöhung.

Was ist in Salzburg am dringendsten notwendig?

Es gibt Bedarf am Ausbau von Rekrutenunterkünften. Die Werkstätten sind zu modernisieren. Es gibt also genügend Möglichkeiten, Geld sinnvoll einzusetzen.

Das Kommando Streitkräfte ist zwischen Graz und Salzburg aufgeteilt. Sind der Standort Salzburg und damit die Spitzenjobs des Heeres hier abgesichert?

Die Struktur ist aus meiner Sicht gesichert und auch langfristig so beizubehalten.

Was kann man tun, um die Miliz wieder zu stärken?

Es ist unser Bestreben, den Wehrdienst wieder auf acht Monate zu verlängern – mit einem Anteil an Milizübungen. Es ist auch wichtig, die Miliz mit modernem Gerät auszustatten und sie möglichst integriert mit Präsenzteilen üben zu lassen – um einerseits die militärische Professionalität für die Miliz zu gewährleisten und um andererseits das Know-how der Miliz aus dem zivilen Bereich dem Militär zugute kommen zu lassen.

2016 wurde mit dem Jägerbataillon 8 wieder ein Infanterieverband in Salzburg aufgestellt, der aber keiner Brigade zugeordnet wurde. Hat das Bataillon Zukunft?

Das Jägerbataillon 8 wird derzeit von den Streitkräften unmittelbar geführt. Wir versuchen nun, dort eine Expertise für Drohnenabwehr aufzubauen, die wir im Bundesheer sicher brauchen. Das Jägerbataillon 8 ist eine Zelle für diesen künftigen Leistungsbereich.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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