10.09.2019 12:06 |

Ex-Landesrat Paierl

Kritik an Politik: „Ökostrom-Ausbau steckt fest!“

Am Papier schwört die heimische Politik, den Anteil an Fotovoltaik bis 2030 zu verzehnfachen. Nur wie? Konkrete Ideen zum Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung fehlen bis heute gänzlich. Der steirische Ex-Landesrat Herbert Paierl, neuer Chef von „Photovoltaic Austria“, ortet einen„dramatischen Handlungsbedarf“.

„Krone“: Herr Paierl, Sie wurden kürzlich Präsident des österreichischen, politisch unabhängigen Verbandes Photovoltaic Austria. Wo sehen Sie in ihrer neuen Funktion den größten Handlungsbedarf?
Herbert Paierl: Der Ökostrom-Ausbau steckt in Österreich leider generell fest. Alleine im Solarstrombereich müsste die aktuell jährlich installierte Leistung auf 150 Megawatt verzehnfacht werden, um die Klimaziele erreichen zu können. Von konkreten Maßnahmen kann aber speziell in der Steiermark bis dato überhaupt keine Rede sein.

Von der Bundes-ÖVP kam im Sommer ja der Vorstoß, alle Bundesgebäude wie beispielsweise Schulen künftig mit einer Fotovoltaik-Anlage ausstatten zu wollen. Nur Symbolpolitik oder eine gute Idee?
Es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn er sehr klein ist. Aber natürlich ist es eine der Kernaufgaben von Regierern, Vorbild für die Bevölkerung zu sein. In der Steiermark wird ja nicht einmal Symbolpolitik betrieben! Für mich ist es wirklich erstaunlich, wie wenig ernst hier alle Parteien das Thema Klimaschutz noch nehmen, eigentlich unbegreiflich.

Was schlagen Sie konkret vor?
Ähnlich anderer Vorschriften wie etwa der Anschluss an die Wasser- beziehungsweise Abwasserversorgung oder an die Fernwärme, ist die verpflichtende Errichtung einer Fotovoltaik-Anlage auf alle neu errichteten Wohn- und Bürogebäude vorzuschreiben.

In der Steiermark arbeitet man aktuell an der Novellierung des Baugesetzes. Gibt es positive Signale in Ihre Richtung?
Ich habe an alle Parteien eine ganze Liste an Ideenvorschlägen geschickt. Landesrat Hans Seitinger war der einzige bislang, von dem eine Reaktion kam. Er kann sich vorstellen, Wohnbauförderungen künftig an die verpflichtende Errichtung von Fotovoltaik-Anlagen zu koppeln.

Ohne Vorschriften wird’s nicht gehen?
Leider nein, das lehrt uns die Erfahrung. Es wird sicher auch kein Weg daran vorbeiführen, CO2 zu verteuern, damit muss der Normalbürger wohl leben lernen. Entstehen dadurch soziale Probleme, müssen selbstverständlich großzügige Ausgleichsmaßnahmen her. Dafür braucht man das Rad nicht neu zu erfinden, das leben andere europäische Länder längst vor.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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