Stadtrat Hacker

„Kein radikales Njet“ zu Nationalstadion in Wien

Die Chancen für die Errichtung eines neuen Fußball-Nationalstadions in Wien scheinen derzeit schlecht zu stehen. Ganz zu ist die Türe aber nicht. „Es gibt kein radikales Njet“, sagte Wiens Sportstadtrat Peter Hacker am Montag - mit den bisher erhaltenen Unterlagen des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) ist er aber nicht zufrieden.

„Ich muss sagen, es ist ziemlich enttäuschend, welche Unterlagen in welcher Qualität aktuell auf unseren Tischen liegen zum Thema Nationalstadion“, sagte Hacker. Deshalb sei an eine Umsetzung momentan sowieso nicht zu denken. „Nur auf der Grundlage von schon nachvollziehbaren Träumen werden wir keine Infrastrukturen kriegen“, stellte der SPÖ-Politiker klar. Das gilt auch für eine etwaige Errichtung eines Trainingszentrums, das der ÖFB gerne sehen würde. „Ich lese ständig, dass wir ein Trainingszentrum brauchen, und habe das auch einmal vor ein paar Monaten gehört. Da habe ich den Vorschlag gemacht, es wird einmal eine Zusammenfassung geschrieben vom ÖFB, was denn überhaupt die Vorstellungen sind, wie groß so etwas ist, was es kann, wie viel Geld es kostet, wie oft man es im Jahr braucht, und was man das restliche Jahr damit macht“, schilderte der 56-Jährige. Steuergeld einfach so zu verwenden, sei für ihn keine Option.

„Wenn am Ende des Tages überbleibt, wir sollen halt ein paar hundert Millionen aus dem Steuertopf nehmen, dann kann ich nur sagen: Das ist vielleicht unter Fürsten möglich, aber sicher nicht in Demokratien und jedenfalls nicht unter mir als Sportstadtrat. Ich gehe mit Steuergeld einfach ganz anders um“, betonte Hacker. Eine Idee des ÖFB ist es, das Nationalstadion über Wirtschaftsunternehmen als Partner mitzufinanzieren. Das Entscheidende dabei sei laut Hacker nicht die Investition, sondern die Frage, wie diese zurückgezahlt werden könne. Einige hundert Millionen Euro von Investoren zu bekommen, sei keine große Kunst, meinte der Stadtrat. „Die entscheidende Frage ist, was passiert in so einem Gebäude, dass man die Investoren mit einer Rückzahlung des Investments auch wieder befriedigt. Und dazu liegt gar nichts auf dem Tisch.“ Ein „ordentliches Konzept“ sei unabdingbar. „Und das Ganze muss sich dann auch noch rechnen.“

Auch sonst ist vieles offen. Mit der Errichtung einer neuen Arena würden wohl alle Länderspiele an einem Ort stattfinden. „Ich kann wirklich nachvollziehen, dass in Innsbruck, Klagenfurt oder Salzburg auch das Nationalteam gelegentlich gern gesehen wird. Wenn wir die Nationalmannschaft ausschließlich in Wien spielen lassen, sind dann wirklich alle ÖFB-Verantwortlichen der anderen Bundesländer einstimmig der Meinung, dass das so gut ist?“, fragte Hacker. Diesbezüglich führte er auch die Diskussionen um den Finalstandort des ÖFB-Cup-Finales ins Treffen. „Wir schaffen es nicht einmal in der Frage des Cup-Finales eine eindeutige Strategie zu haben.“ Mit dem in die Jahre gekommenen Ernst-Happel-Stadion ist die Stadt Wien zufrieden. Es funktioniere laut Hacker gewinnbringend, von 80 Veranstaltungen im Jahr 2019 seien aber nur drei Fußball-Spiele. „Mit Fußball-Veranstaltungen alleine werden wir überhaupt kein Stadion in Österreich auch nur irgendwie betreiben können“, sagte Hacker.

Eine Errichtung außerhalb von Wien könnte seiner Ansicht nach mit Problemen verbunden sein. „Es stellt sich auch die Frage, ob es gelingen wird, etwa Rammstein nach Parndorf oder Götzendorf oder keine Ahnung wo zu kriegen - oder ob die Veranstalter sagen, da bleiben wir lieber in Wien“, meinte Hacker. Seiner Meinunt nach läuft zu dieser Thematik aktuell eine merkwürdige Diskussion. „Ich habe das Gefühl, da ist mehr politisch getriggert, als Ratio drinnen“, sagte Hacker. Er wäre auch offen für Gespräche bezüglich einer Bewerbung um ein Europa-League-Finale. „Wir wissen, dass ein Champions-League-Finale illusorisch ist, in dieser Liga spielt Österreich nicht. Ich fände es aber spannend, sich für ein Europa-League-Finale zu bewerben“, erklärte Hacker. Er führte auch ins Treffen, dass 2008 noch ein EM-Finale im Prater stattgefunden hatte. „Es kann mir keiner erzählen, dass das Stadion in zehn Jahren so verfällt, dass man da nichts mehr machen kann.“

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