Mi, 17. Juli 2019
04.07.2019 21:33

Adelsspross angeklagt

Drei Tote im Schloss: „Mein Herz ist zerrissen“

„Es war nicht logisch, es war nur schrecklich, mein Herz ist zerrissen.“ Die tödlichen Schüsse auf den geliebten Bruder, den verhassten Vater und die Stiefmutter, die ihm egal war, kann Graf Tono G. (55) bis heute nicht fassen. Der Spross aus einem alten Adelsgeschlecht sucht nach Antworten, warum er zum Gewehr gegriffen und zweimal nachgeladen hat. Wie bei einer Exekution. Beim Mordprozess am Landesgericht Korneuburg sagt er: „Alle haben auf mich eingeredet, da ist mir alles zu viel geworden und ich bin explodiert.“ Ein Urteil im Mordprozess soll es am Freitag geben.

Zusammengesunken sitzt G. auf seinem Sessel vor dem Richtertisch. Manchmal kippt er etwas zur Seite. Einmal bricht er haltlos in Tränen aus und schluchzt minutenlang. Den stolzen Spross eines alten Adelsgeschlechts stellt man sich anders vor. Und einen kaltblütigen Mörder ebenso.


Doch der Mann, der drei Menschen getötet hat, will erklären, wie es dazu kam. Dass er am 13. Dezember 2018 bei einem Familientreffen im Kaminzimmer des Schlosses Bockfließ aufsprang, einen Stock tiefer eine Schrotflinte holte und diese fünfmal abfeuerte. Dies wurde im Zuge eines Lokalaugenscheins der Polizei im Jänner so nachvollzogen.

„Habe die Verantwortung für die Familie gespürt“
G. hat ein bewegtes Berufsleben hinter sich. Er war mäßig erfolgreich und arbeitete die letzten Jahre in der Familienstiftung. „Ich habe die Verantwortung für die Familie gespürt, für die Erhaltung des Besitzes“, sagt er. Er unterstand damit seinem Vater. Zwei Männer trafen aufeinander, die unterschiedlicher nicht hätten sein können: der Senior, ein erfolgreicher Geschäftsmann, aber schwierig im privaten Umgang, ein Despot, der am liebsten alles selbst entschied. Und mit diesem herrischen Charakter musste der Sohn zurechtkommen.

Er sagt jetzt: „Schwäche oder Krankheit hat mein Vater nicht akzeptiert.“ G. war krank seit Jugendtagen und schwach, seit er wegen eines Aortarisses 2017 fast gestorben wäre. Der Angeklagte: „Ich bin drei Monate auf der Intensivstation gelegen, mein Vater hat mich nur einmal besucht, der Ordnung halber. Ich bin schnell wieder in den Betrieb eingestiegen. Ich wollte ja stark sein.“

Ein wesentlicher Streitpunkt in der Familie war offenbar der Zwiespalt zwischen dem Vater und dem Sohn bei Bauvorhaben. Der Angeklagte: „Ich wollte den korrekten Behördenweg gehen, mein Vater hat davon wenig gehalten.“

So war das auch beim Bau eines Speiseaufzuges im Schloss. Der Sohn wollte Bewilligungen, den Denkmalschutz betreffend, abwarten, der Vater tobte. Und bei der Besprechung im Kaminzimmer fiel plötzlich auch der geliebte Bruder über G. her. Der Bruder, den er immer als Verbündeten gesehen hatte. Mit dem er oft die väterlichen Mittagessen bei einem Würstelstand in der Gegend „geschwänzt“ hat.

„Es war die Gesamtmenge der Dinge, die auf mich eingestürzt sind. Da ist mir alles zu viel geworden. Der Vater hat mir auch vorgeworfen: Du kannst keine Kinder kriegen und wirst sie nie haben. Der Bruder ermahnte mich: Tono, du musst dem Vater gehorchen. Auch die Stiefmutter, die mir völlig egal war, hat auf mich eingeredet. Da hab ich nur ein Dröhnen im Kopf gespürt.“

Richter Bodner: „Hat es nie den Punkt gegeben, an dem Sie Stopp gesagt haben?“ Angeklagter: „Nein.“ Richter: „Man könnte auch denken: Sie haben zuerst den stärksten, den Bruder, erschossen. Dann den Vater und zuletzt die Stiefmutter, die sich, weil gehbehindert, nicht wehren konnte.“ Angeklagter: „Nein, es gab keine Reihenfolge.“

Peter Grotter, Kronen Zeitung

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