23.06.2019 09:00 |

Experten geben Tipps

7 Fragen und Antworten zur Pflege in der Familie

Tirols Familien sind die größte Pflegeeinrichtung des Landes. 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Doch wie geht richtige Pflege? Eine Ausbildung haben Angehörige zumeist nicht. Die Klinik Innsbruck und die Krankenhäuser Reutte und Zams starteten ein Projekt und bieten kostenlose Schnellkurse für pflegende Angehörige an. Eine preisgekrönte Idee! Die Pflege-Expertinnen Luise Angermair und Margarethe Rüf klären über den Nutzen auf.

Wie viele Tiroler Familien können von den Pflegekursen profitieren?

Erstaunlich viele! Mehr als 22.000 Tiroler erhalten Pflegegeld. Laut Berechnungen werden 80 Prozent davon daheim betreut. Oft markiert ein Krankenhausaufenthalt die Wende, wenn Familienangehörige danach ihren Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen können. „Für diese Fälle haben wir ein Entlassungsmanagement entwickelt. Pflegekräfte helfen Angehörigen, sich auf die neue Situation einzustellen. Sie informieren über mobile Hilfsdienste und über Fragen zur Pflege. Dabei haben wir gesehen, dass viele Angehörige praktische Anleitungen benötigen“, erklärt Luise Angermair, stellvertretende Pflegedirektorin der Klinik Innsbruck, wie die Idee der Schulungen entstand. Mittlerweile erhielt das Projekt den Österreichischen Preis für integrierte Versorgung.

Was erwartet die Teilnehmer?

Die Schulungen bestehen aus zwei Abschnitten zu je 2,5 Stunden. „Pflege ist zeitaufwendig, da bleibt wenig Spielraum. Daher haben wir das Programm kompakt gestaltet. In fünf Stunden kann man aber sehr viel Wertvolles für den Umgang mit Pflegebedürftigen lernen“, hat Kursleiterin Margarethe Rüf gute Nachrichten.

Und was wird nun in den Kursen vermittelt?

Im ersten Teil geht es um grundsätzliche Fragen wie die richtige Gestaltung von Räumen und die Vermeidung von Stolpersteinen. „Es fängt mit der Beleuchtung an und mit Hilfsmitteln, die viel Selbstständigkeit bringen“, nennt Rüf als Beispiele den Einbau von Lichtsensoren, damit Betroffene in der Nacht nicht im Dunkeln tappen und stürzen. Oder den so genannten Gehbock als einfache Gehhilfe, der in der Handhabung leichter als der oft verwendete Rollator ist.

Manche Dinge sind einfach umzusetzen, andere schwierig. Welche?

Angermair nennt die Themen Körperpflege, Inkontinenz, Demenz: „Aus Scham bleiben diese Dinge oft unausgesprochen. Es ist meistens aber einfacher, wenn man Betroffene fragt, was ihnen angenehm ist. Dann fühlen sie sich weniger hilflos und ausgeliefert.“ Rüf ergänzt, dass es hilfreich sein kann, manche Dinge mobilen Diensten zu überlassen.

Eine häufige Frage in den Kursen: Wie greife ich Pflegebedürftige richtig an?

„In der Pflege etablieren wir die Kinästhetik, die Lehre von der Bewegungsempfindung. Das klingt kompliziert, ist in der Anwendung aber praktisch“, sagt Angermair. Heißt: In den Kursen werden Handgriffe gelernt, die Kraft sparen und Patienten Bewegung erleichtern.

Wo liegen die Grenzen der häuslichen Pflege?

„In jeder Familie wo anders“, stellen Angermair und Rüf voran – und führen dann ein wichtiges Alarmzeichen an: „Der, der die Pflege übernimmt, darf nicht überfordert sein. Es nützt niemandem, wenn Angehörige über ihre Grenzen hinausgehen!“

Wie bewerten Teilnehmer die Kurse?

Zwei Zuschreibungen werden am häufigsten genannt: einfach, praxisnah.

Die kostenlosen Kurse finden an der Klinik Innsbruck und in den Krankenhäusern Reutte und Zams statt. Für den Termin im Juni an der Klinik (19./26.) gibt es noch Restplätze. Weiter geht es dann nach der Sommerpause im September. Alle Infos & Anmeldung: Klinik Innsbruck, Telefon: 050/504-222 31; Krankenhaus Reutte, Telefon: 05672/601-454; Krankenhaus Zams, Telefon: 05442/600-6007 bzw. 6001

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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