So, 19. Mai 2019
12.05.2019 09:00

„Krone“-Kommentar

Grubinger ist wieder einmal wütend

Percussion-Weltstar Martin Grubinger schreibt in seiner „Krone“-Kolumne „Schlagfertig“ aus aktuellen Anlässen nicht über Beethoven.

Eigentlich wollte ich heute über Beethoven schreiben. Meine Liebe zu seiner wunderbaren Musik ist grenzenlos. Ein Meister, der keine künstlerischen Grenzen kannte und sich gleichzeitig von den großen gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen seiner Zeit inspirieren ließ. Radikal, kompromisslos denkend und komponierend. Ein Genie - gleichzeitig der Komponist unserer europäischen Hymne.

Doch dann überkam mich im Laufe dieser Woche die Wut: Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann gibt ein provokantes Interview. Die Moderatorin der ORF Sendung fühlt sich sofort dazu veranlasst, sich von diesen Aussagen zu distanzieren. In einer Kultursendung! Wo doch der Kanzler nur wenige Stunden davor als Verteidiger für die Freiheit der Kunst ausgerückt ist.

Die SPÖ Graz engagiert eine Band für eine eigene Veranstaltung und bittet die Band, auf dieser mögen keine Songs von Schlagerstar Andreas Gabalier gespielt werden. Als die Band es trotzdem tut, versucht die Veranstalterin dies vor Ort zu unterbinden. Gabalier nützt das für eigene PR und nennt das Faschismus. In trauriger Unkenntnis der Tatsache, dass viele Menschen in der Geschichte unseres Landes unter dem Joch des Faschismus zu leiden hatten. Unterstützt wird er bei dieser gekünstelten Empörung von den bekannten Scharfmachern in Politik und Medien.

Der Arzt und ehemalige Nationalratsabgeordnete Marcus Franz findet das Haus, das seine Ordination beheimatet, mit Farbbeuteln beschmiert wieder. Eine vermutlich politisch motivierte Tat, die völlig inakzeptabel ist.

Der niederösterreichische SPÖ-Chef Schnabl lässt sich, bevor er sich in der Landespolitik engagierte, von dubiosen Geheimdienstlern zu Korsika-Urlaub und größeren Geschenken einladen und findet dabei nichts Anstößiges. Dabei übersieht er, wie massiv die Glaubwürdigkeit aller Volksvertreter bei uns Bürgern darunter leidet.

Der Bundeskanzler fordert die Internationale Atomenergiebehörde auf, das AKW Mochovce in der Slowakei zu überprüfen. Eine reine PR-Maßnahme. Die Atomenergiebehörde kontrolliert regelmäßig alle Kraftwerke in Europa. Jahrelang war in dieser Sache öffentlich dazu, weder vom damaligen Außenminister Kurz noch vom jetzigen Bundeskanzler Kurz, etwas zu vernehmen. Wenige Wochen vor der EU-Wahl passt es plötzlich ins Wahlkampfkonzept. Und wieder rückt man einen europäischen Nachbarn - für die schnelle populistische Schlagzeile - in ein schlechtes Licht.

Ich könnte diese Aufzählung aus den unterschiedlichsten Facetten des politischen Alltags beliebig fortsetzen. Politische Show, ohne konkret etwas für uns Bürger verbessern zu können. Ich frage mich daher: Wie lange wollen wir uns diese Showveranstaltungen von unterschiedlichster Seite noch bieten lassen?

Ich persönlich habe genug von diesem substanzlosen Dauergeschwurbel, das unseren Fokus auf ganz wesentliche Zukunftsfragen ablenkt. Umwelt, Bildung, Fragen der sozialen Gerechtigkeit, sinnvolle Politik zum Thema Migration und Zuwanderung, Digitalisierung und Pflege. Wir Bürger werden zugemüllt mit dümmlicher Dauer-PR, während die Politik und ihre Handlanger in den Medien diesen Staat beschädigen und in ihrem Sinne umkrempeln.

Wir stehen vor einer EU-Wahl, die entscheiden wird, ob wir zukünftig in Europa von den Hetzern, den Spaltern und Rassisten regiert werden, oder ob vernünftige Kräfte die Oberhand behalten. Also sollten wir alle auch das Recht haben, mit den Parteien ernsthaft über deren Konzepte und Ideen ins Gespräch zu kommen. Nur darauf kommt es an. Diese Lösungen müssen wir von der Politik einfordern.

Denn wir wollen für unsere Kinder eine intakte Umwelt, für deren Zukunft die beste Bildung, ein Minimum an Gerechtigkeit innerhalb der Gesellschaft - ganz gleich, wie dick der Geldbeutel ist. Lassen wir uns nicht ablenken! Konzentrieren wir uns auf die wirklich wichtigen Dinge und halten wir es alle gemeinsam mit Beethoven: „Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen, niederzwingen soll es mich gewiss nicht.“

Ihr Martin Grubinger

Kronen Zeitung

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