Di, 22. Jänner 2019

Asien-Abenteuer

09.01.2019 09:37

Indien-Legionär Stankovic: „Stars sind ein PR-Gag“

Es geht wieder los! Nicht nur in Österreich starten die Profis dieser Tage in die Vorbereitung auf die neue Saison. Auch in im fernen Indien wird bereits wieder geschuftet. Mittendrin: Der Ex-Austrianer Marko Stankovic. Der 32-Jährige verbrachte Weihnachten bei seiner Familie in Graz, trat am Dienstag die knapp 20-stündige Anreise in die Millionenstadt Mumbai an. Stankovic fühlt sich in Indien und bei seinem Klub Pune City richtig wohl. Er schätzt vor allem die Professionalität. 

In der an Einwohnern zweitgrößten Nation der Welt fasst das runde Leder langsam Fuß. Das Cricket-verrückte Indien, die Heimat von 1,3 Milliarden Menschen, ist im Weltfußball nur eine kleine Nummer. Rang 97 im FIFA-Ranking unmittelbar vor den Färöern verdeutlicht, warum die Nation noch niemals bei einer WM zu sehen war. Europas Großclubs haben dennoch ein Auge auf den Subkontinent geworfen.

Stars nur ein PR-Gag
Indiens Super League (ISL) sorgte vor knapp fünf Jahren für Aufsehen. Pune City holte damals den französischen Welt- und Europameister David Trezeguet, weitere Altstars wie Nicolas Anelka oder Roberto Carlos folgten. Der Liga half dies nur bedingt auf die Sprünge. Heute ist die Zeit der hoch bezahlten Legionäre vorbei.

„Sie haben ziemlich schnell gemerkt, dass das als PR-Gag gut ist, aber es der Liga nichts bringt“, sagt Marko Stankovic. Der 32-Jährige spielt seit einem Jahr bei Pune. Schmackhaft gemacht hatte dem ehemaligen Sturm-Graz- und Austria-Profi den Wechsel der damalige City-Coach Ranko Popovic. Stankovic‘ Resümee nach zwölf Monaten in Indien: „Von der Infrastruktur her ist es extrem professionell, da muss man sich nicht verstecken. Vor kurzem wurde auch mit dem Aufbau von Akademien begonnen. Indien gewinnt immer mehr an Qualität.“

Barca-Akademie
Am sportlichen Aufschwung wollen auch die europäischen Hausmarken mit Kooperationen mithelfen. So hat der FC Barcelona in Mumbai, Dehli und Bangalore inzwischen drei Nachwuchszentren eröffnet. Seit 2013 forciert Barca den Ausbau, laut eigenen Angaben wurden in Entwicklungsprogrammen bereits 25.000 Kinder und Jugendliche betreut. Auch Liverpool, Arsenal oder Paris St. Germain betreiben Akademien. Das Engagement erfolgt nicht uneigennützig. „Indien ist ein strategischer Schlüsselmarkt für den FC Barcelona“, betonte der für Asien zuständige Generaldirektor Jordi Camps gegenüber Reuters.

„Schlafender Gigant“
Nachdem Chinas Regierung ein milliardenschweres Programm initiiert hat, um bis 2050 in der Weltelite mitzumischen, folgte auch Indien mit einer eigenen Wachstumsstrategie. Diese ist zwar weit weniger ambitioniert ausgelegt, soll aber dennoch Früchte tragen. Der vom ehemalige FIFA-Boss Sepp Blatter schon vor über zehn Jahren als „schlafender Gigant“ bezeichnete indische Fußball soll erweckt werden.

Die Vereine der Super League sind finanziell abgesichert. Absteiger gibt es im geschlossenen Liga-System keinen, die Mannschaften werden von Konzernen finanziert. 15.000 Zuschauer sind im Schnitt pro Spiel im Stadion. Größtes Manko im Nachwuchs: Qualifizierte Trainer sind in Indien eher rar gesät.

Trainer aus dem Ausland
So sind auch die Coaches im Oberhaus Ausländer. Pune wird vom Engländer Philip Brown betreut. Die Konkurrenten setzen in erster Linie auf Spanier an der Seitenlinie. Stankovic ist einer von sieben Legionären im Kader, fünf davon dürfen zum Einsatz kommen. Aktuell ist Pune Tabellensiebenter, die Super League startet nach einer Winterpause wieder am 2. Februar.

Weihnachten daheim
Stankovic, der über Weihnachten bei seiner Familie in Graz weilte, trat die knapp 20-stündige Anreise in die nahe Mumbai liegende Millionenstadt (über 3 Mio. Einwohner) am Dienstag an. In Pune wohnt der Steirer wie alle Legionäre im Fünf-Sterne-Hotel samt eigenem Koch. Für Stankovic steht dennoch fest: „Die indische Mentalität und Kultur versuche ich trotzdem kennenzulernen.“

„Messi von Indien“
Leistungstechnisch würde sich Pune City in Österreich im oberen Tabellendrittel der 2. Liga einreihen, meinte der Legionär. Größter Unterschied sei das Tempo im Spiel - und die unterschiedliche Qualität der einheimischen Spieler. Bei Tabellenführer Bengaluru spielt der indische Nationaltorhüter und der „Messi von Indien“, Sunil Chhetri. Der 34-Jährige war Doppeltorschütze beim 4:1 der Inder zum Auftakt des Asiencups gegen Thailand am Sonntag. Beim Kontinentalturnier in Katar ist Indien erst zum zweiten Mal seit 1984 im Einsatz. Übergeordnetes Ziel ist laut Verbandschef Praful Patel die Teilnahme an der WM 2026. Dann dürfen acht Länder aus Asien an der Endrunde teilnehmen.

Cricket bleibt top
Größter Hemmschuh für die Fußballbegeisterung der Inder bleibt die Liebe zum Nationalsport. Ende März startet die nationale Cricket-Liga. Dann ruht der Fußball nicht ohne Grund. „Cricket ist in Indien immer noch das Non-Plus-Ultra. Unsere Saison hört dann auf, denn wenn Cricket anfängt, überträgt keiner mehr Fußball“, berichtet Stankovic. Im April wartet noch der indische Cup, dann geht es für den Mittelfeldspieler wieder heim nach Österreich. Ob Stankovic danach noch einmal Richtung Pune aufbricht, ist offen.

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