Gegenseitige Vorwürfe

Boots-Drama: Bundesheer und Feuerwehr im Clinch

Nach dem tragischen Unfall mit einem Pionierboot auf der Donau in Niederösterreich Anfang September, nach dem zwei Mädchen noch immer mit dem Tod ringen, hat das Heer jetzt Vorwürfe gegen die Feuerwehr erhoben. Unklar sei, warum diese keinen Großalarm ausgelöst habe, so Heeressprecher Michael Bauer. „Ungeheuerlich“, sagt ein Sprecher der Feuerwehr.

Erst am Mittwoch veröffentlichte der ORF brisante Informationen zu dem Bootsunfall bei Hainburg. Diese deuten darauf hin, dass die Verantwortlichen des Heeres die Lage möglicherweise falsch eingeschätzt haben.

„Es wurden nur Decken angefordert“
Beim Bundesheer verwies man am Mittwoch zunächst auf die laufenden Ermittlungen, am Donnerstag gab es dann aber doch eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Zwar setzte das Heer selbst nie einen Notruf ab, dennoch stellte Pressesprecher Bauer die Frage in den Raum, warum die Feuerwehr keinen Großalarm ausgelöst habe. „Wir wissen, dass die Feuerwehr einen Notruf angefordert hat, allerdings liegen uns auch Informationen vor, dass die Feuerwehr dabei nur Decken angefordert hat. Warum die Feuerwehr nicht einen Großalarm ausgelöst hat, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.“

Feuerwehr: „Vorwürfe völlig unerklärlich“
Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando Niederösterreich reagierte einigermaßen empört: „Uns ist völlig unerklärlich, warum das Bundesheer jetzt versucht, der Feuerwehr eine Mitverantwortung an dieser Katastrophe umzuhängen. Soweit bekannt ist, hat das Bundesheer nach dem Unglück überhaupt keinen Notruf abgesetzt. Das hat erst 15 Minuten später ein Feuerwehrmann getan, der zufällig in der Nähe des Unfallortes mit einer Katastropheneinheit geübt hat und Zeuge der völlig chaotischen Situation wurde. Dieser Feuerwehrmann hat den Rettungsnotruf gewählt und sich auf jene Angaben verlassen, die ihm ein Bundesheeroffizier am Ufer übermittelt hat.“

Dass das Bundesheer keinen Notruf abgesetzt hat, wurde von Bauer bereits bestätigt. Warum das so war, sei ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen.

In dem Fall hat sich am Freitag auch der niederösterreichische Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) zu Wort gemeldet: Er verurteile es, wenn das Bundesheer eigenes Versagen auf Freiwillige (die Feuerwehr, Anm.) abwälzen wolle.

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