Sa, 18. August 2018

Salzburger Festspiele

05.08.2018 06:00

Asmik Grigorian: Der neue Star der Oper

Hart und doch zerbrechlich, verführerisch und rührend kraftvoll: So spielt die litauische Sopranistin Asmik Grigorian (37) die Salome in Salzburg. Mit dieser Rolle ist ihr der große Durchbruch gelungen.

Wie sie da kauert auf der Opernbühne: Fast zerdrückt von einem Felsen, lange in Embryo-Stellung, in Milch badet oder aufspringt und ein Feuerwerk der Gefühle erlebbar macht

Gefeierte Premiere
Asmik Grigorian wird ganz zur Salome in Richard Strauss’ Oper, eine der gefeierten ersten Premieren im diesjährigen Festspiel-Sommer. Sie nimmt die Rolle an, geht komplett in ihr auf. Harte Arbeit sei das, spricht die junge Sopranistin offen über Grenzen, das Singen als Energiequelle und ein großartiges Publikum, das sie weiterträgt.

Auch in der Fachwelt löste ihre stimmliche wie schauspielerische Glanzleistung im Dunkel der Felsenreitschule wahre Jubelstürme aus. Herrliches Timbre, ausreichend Kondition im Finale, ohne jemals zu brüllen: Das sind nur einige Blüten aus einem verbalen Rosenstrauß, die man ihr streut. Salzburgs Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser sprach gar von einer Weltsensation. Und Präsidentin Helga Rabl-Stadler will ebenso junge Stars und neue Namen nach Salzburg holen.

„Ich habe mir szenisch und stimmlich so viel vorgenommen und wusste nicht, ob ich es schaffe“, erzählt Asmik Grigorian über die intensiven Vorbereitungen auf eine ihrer bisher schwierigsten Rollen. Jetzt ist jeder Zweifel dahin: Gerührt trat sie beim Schlussapplaus im elegant-schlichten Kleid vor ein tobendes Publikum.

Familie aus Litauen zu Besuch
Nach der Premiere gönnte sich die Salome ein paar Tage Pause. Sie hat ihre Familie aus Litauen zu Besuch. Interviews gibt sie trotzdem, weil die gefeierte Premiere auch bei einem Star Emotionen freigibt: „Die Sprache ist phonetisch völlig anders als meine Muttersprache“, erzählt sie über das Textstudium. Asmik Grigorian spricht kein Deutsch. Ob sie es lernen will? „Warum nicht, vielleicht eines Tages“, lacht sie und plaudert in fließendem Englisch auf natürlich-erfrischende Art weiter. Ohne die Allüren eines großen Stars. Völlig am Boden geblieben, wenn auch die berühmten „Bretter, die die Welt bedeuten“ ihr Zuhause sind.

Ihre Klangkraft und die außergewöhnliche Intensität sind Asmik Grigorian wohl in die Wiege gelegt: Der Vater ein armenischer Tenor, schon die Mutter litauische Sopranistin. Am Nationalen Kunstgymnasium in ihrer Heimat studierte sie zunächst Klavier und Chordirigat, schließlich an der Akademie für Musik und Theater Gesang. Mit „Madame Butterfly“ und „La Traviata“ hat sie eine tiefe Verbindung. Ihre Mutter sang daraus, als sie mit Asmik schwanger war. Die Opern rühren die Sopranistin heute noch oft zu Tränen.

Nach Salzburg ist sie mit ihren beiden Kindern (16 und 2) gekommen. Wo sie ihre offenbar kaum erschöpfbaren Energiereserven wieder auflädt? „Bis jetzt war ich nur im Theater und in der Wohnung“, verrät sie über ihr Sommer-Engagement. Die Rolle, die sie ganz in sich aufnimmt, muss Asmik Grigorian nach einem Auftritt auch wieder ablegen: „Ich gehe dann zu Fuß am Fluss entlang nach Hause.“ Es sind 30 Minuten, die sie zurückholen in die Realität. Sie liebt aber auch die Sonne, Seen und generell die Wärme, „auch Sauna“, und will sich jetzt ein wenig mehr Zeit nehmen.

Seit 14 Jahren auf der Bühne
Ihr Tipp für „Young Singers“? „Ich habe mich selbst nie als Nachwuchs-Sängerin identifiziert und hatte nie wirklich Zeit, mich um meine künstlerische Entwicklung zu kümmern“, erzählt sie über ihr Leben als Jung-Mutter und Sängerin. „Ich musste viel Singen, um das Geld für mich und meinen Sohn zu verdienen.“ Seit 14 Jahren steht sie schon auf Bühnen und war in 60 Opern zu erleben. Graz, Wien, Barcelona, Amsterdam: Das Reisen ist ihr Leben. In Salzburg feierte sie im Vorjahr als Marie in Wozzeck (Berg) ihr Festspiel-Debüt. Ihre Liebe zu Salzburg war keine auf den ersten Blick: „Im Vorjahr war es schwierig, es hat ständig geregnet, und ich hatte Kopfschmerzen. Aber jetzt beginne ich, diese Stadt zu lieben. Sie hat eine spezielle Aura. Wahrscheinlich ist es Mozart“

Zu Hause in Litauen ist die heute 37-jährige Opernsängerin mittlerweile selten anzutreffen. Die Erfahrung sei der beste Lehrmeister auf der Bühne, meint die gefeierte Salome. Sie kokettiert mit dieser gespaltenen Figur, die sogar einen Mord begangen hat. „Ich habe im übertragenen Sinn sicher auch Leute auf dem Gewissen. Ich spiele damit, die Geschichte von Salome und meine eigene zu verknüpfen“

Und Asmik Grigorian philosophiert über das Leben: „Das Singen bedeutet mir unglaublich viel.“ Oft sucht sie für sich selbst Antworten auf bohrende Fragen im Gesang und findet sie auch.

Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

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