Di, 17. Juli 2018

Schar an Schutzengeln

27.06.2018 12:51

Flugzeugabsturz, Autocrash und Zugunfall überlebt!

Lea Fohringer ist charmant, agil, redegewandt. Die 65-Jährige kann plaudern wie ein Wasserfall - selbst nach dem dramatischen Erlebnis von Dienstagfrüh. Sie ist eine der 80 Passagiere des Mariazellerbahn-Unglücks, bei dem 34 Menschen teils schwer verletzt wurden. Ursache für den schweren Unfall: überhöhte Geschwindigkeit. Gleich 20 km/h zu schnell sei die Bahn unterwegs gewesen, hieß es am Mittwoch. Lea Fohringer jedenfalls hat viel zu erzählen: über die „Wahnsinns-Fahrt“ in der „Himmelstreppe“, unermessliche Panik, die erlösende Rettung und ihre Schutzengel …

Weil diese die Frau aus dem niederösterreichischen Obergrafendorf bereits ihr Leben lang begleiten. Auch bei der fatalen Zugentgleisung blieb sie nahezu unverletzt. Lediglich „ein paar Schnittverletzungen“ an der Hand hat sie abgekriegt, als der Triebwagen aus den Schienen geschleudert und auf die Seite katapultiert wurde. „Die Fensterscheiben barsten, und wir landeten im Kukuruzfeld.“ Panische Schreie folgten, Verletzte heulten voller Verzweiflung. Aus Schmerz und Angst. Als Qigong-Lehrerin versuchte Fohringer, die Passagiere zu beruhigen - auch um sich selbst abzulenken. „Ich habe Klaustrophobie. Schnell wurde mir bewusst, wir sind hier eingesperrt.“

„Dann ging alles ganz schnell“
Eine (lange) halbe Stunde, in der die Sekunden des Dramas immer wieder wie ein Film in ihrem Kopf abliefen. Dabei hätte sie den Zug fast nicht mehr erwischt, musste laufen, um rechtzeitig zu kommen. Sie setzte sich neben einen „kräftigen jungen Mann“, nicht direkt ans Fenster, und las Zeitung. „Dann ging alles ganz schnell“, erinnert sich die Niederösterreicherin: „Der Zug hat sich in die Kurve reingehaut und ist g‘fahren, als ginge mir das Auto durch. Als müsste er jetzt eine Minute rausholen.“

Flugzeugabsturz und Autounfall überlebt
Lea Fohringer liebte einst die Schnelligkeit, sie kreiste in jungen Jahren mit dem Sportflieger über St. Pölten - stürzte ab und überlebte. Vor zwei Monaten hatte sie einen Autounfall. Nur Blechschaden! Dienstagfrüh stieg sie nahezu unverletzt aus dem „Himmelstreppe“-Wrack. Den geplanten Urlaub wird sie stornieren. Fohringer lacht: „Die Kreuzfahrt lassen wir aus, hat mein Mann gemeint, sonst geht das Schiff auch noch unter.“

Zug zu schnell unterwegs
Die Frage nach dem Grund für die überhöhte Geschwindigkeit des Zuges muss jetzt jedenfalls die Unfallkommission des Verkehrsministeriums klären. Wie berichtet, entgleiste Dienstagfrüh eine Doppelgarnitur der Mariazellerbahn auf dem Weg nach St. Pölten in einer Linkskurve unmittelbar nach einer Brücke über die Pielach und kam seitlich zum Liegen. Rasch wurde klar, dass der Zug mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war.

Am Mittwoch gab die niederösterreichische Betreibergesellschaft NÖVOG weitere Details bekannt. An der Unglücksstelle im Bereich Völlerndorf ist eine Geschwindigkeit von 35 km/h erlaubt, unterwegs war der Zug allerdings mit 55 km/h. Ob ein technisches Gebrechen vorliegt oder es sich um menschliches Versagen handelt, muss erst geklärt werden. Der geschockte Triebwagenführer will sich an den Unfall nicht erinnern können. Die NÖVOG bedauert den Unfall und bittet die Opfer um Verzeihung.

Kronen Zeitung und krone.at

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