Di, 17. Juli 2018

Für bessere Technik

08.02.2018 12:21

Kühtai: In Schnee-Labor wird weißes Gold erforscht

5500 Hektar Pisten werden in Tirol beschneit. Im Kühtai wird derzeit nach neuen Techniken gesucht, um die Beschneiung zu verbessern. Weniger Energie soll verbraucht, die Umwelt geschont und die Schneequalität verbessert werden.

Das weiße Gold lockt jeden Winter 5,8 Millionen Gäste nach Tirol. Dazu kommen viele Einheimische, die nicht nur am Tiroler-Tag die Pisten stürmen. Skifahren ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor im Land. Eine Größe, die in den vergangenen schneearmen Wintern zu schmelzen drohte. Ohne künstliche Beschneiung geht es nicht mehr.

5500 Hektar Pisten werden in Tirol mit Kunstschnee bedeckt. Eine teure und aufwändige Angelegenheit. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammentaten, um das so genannte Schneekompetenzzentrum Tirol aus der Taufe zu heben. „Dieses Zentrum nimmt konkrete Formen an“, verkündete die Landesregierung am Dienstag. Die konkrete Form ist ein Freiluftlabor, das seit Kurzem im Kühtai betrieben wird. Eingebunden sind unter anderem Uni Innsbruck, das Management Center Innsbruck (MCI) und die Fachhochschule Kufstein.

Neue Messgeräte
Projektleiter Michael Rothleitner erklärt, was im Kühtai passiert: „Derzeit geht es in den Tests konkret darum, die Schneefeuchtigkeit zu erforschen. Dafür haben die eingebundenen Techniker Prototypen von neuartigen Messgeräten entwickelt.“ Aber wozu der Aufwand? Rothleitner: „Die grundsätzliche Frage lautet: Wie viel Restflüssigwassermenge ist im Kunstschnee? Davon hängt die Qualität ab und der Verbrauch von Energie und Wasser. Was uns zu dem Ziel des Projekts führt: Wir wollen noch bessere Schneequalität bei möglichst wenig Wasser- und Energieverbrauch erreichen.“

Was ist im Wasser?
Derzeit braucht man für einen Kubikmeter Schnee je nach Technik rund 500 Liter Wasser. Eine Frage, die die Wissenschafter umtreibt, betrifft die Inhaltsstoffe des Wassers, das für den Kunstschnee verwendet wird. Rothleitner: „Wir glauben zu wissen, wie aus Wasser Eis wird. Doch das ist ein Irrtum, weil wir den Einfluss mineralischer Inhaltsstoffe nicht kennen. Wir wissen nur, dass er groß ist. Heißt: in jeder Region hat das Wasser andere Inhaltsstoffe, daher muss man die Schneeerzeugung regional unterschiedlich gestalten. Sie funktioniert zum Beispiel am Gletscher viel besser. Nicht wegen der Temperatur oder Luftfeuchtigkeit, sondern wegen des Wassers.“ Weiteres Ziel ist die Reduktion der Wassermenge, die bei der Schneeerzeugung verdunstet.

Wann, wo, wie beschneien
Im Schneekompetenzzentrum wird an der Technik-Schraube gedreht. Aber nicht nur! Rothleitner nennt das Schlagwort Schneemanagement. Der Begriff birgt das Wissen darum, wo man Schneekanonen aufstellt, wann man sie idealerweise einschaltet und wie man Pisten präpariert, damit der weiße Teppich lange hält und geschmeidig bleibt. „20 bis 30 Prozent der Kosten können gespart werden, wenn ein Skigebiet zum richtigen Zeitpunkt Schnee produziert und nicht einfach nur bei genug Kälte die Geräte einschaltet“, nennt Rothleitner eine eindrucksvolle Zahl.

Die Erforschung des Schnees ist ein weites Feld. Rothleitner ist zuversichtlich, dass das Schneekompetenzzentrum in einem Jahr erste konkrete Ergebnisse vorlegen wird können. Ziel der Forschungen sei es aber nicht – das betont der Projektleiter nachdrücklich – Schnee unter allen Umständen, auch bei Plusgraden, herstellen zu können: „Es geht darum, das heute Machbare zu optimieren.“

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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