"Krone"-Interview

“Flecker schadet der SPÖ”

Steiermark
25.09.2009 09:12
Beppo Muchitschs Stimme hat Gewicht in der SPÖ. Mutig spricht der Nationalratsabgeordnete aus dem Süden das aus, was viele an der Basis denken. Sauer stößt ihm aktuell die harsche Kritik des neuen Landtagspräsidenten Kurt Flecker an Kanzler Werner Faymann auf (siehe Infobox) . Im großen "Steirerkrone"-Interview schildert er, was ihn daran so stört.

"Krone": Sie sind ja ein eifriger Basisarbeiter, haben das Ohr bei den Menschen. Was sagen die zur Regierungsumbildung?
Beppo Muchitsch (im Bild): Die Bevölkerung war genauso überrascht davon wie unsere Parteifunktionäre. Es ist jedoch legitim, dass sich der Landes-parteivorsitzende und Landeschef seine Regierungsmitglieder selbst aussucht. Immerhin ist er derjenige, der die Verantwortung trägt.

"Krone": Glauben Sie, dass es ein richtiger Schritt war?
Muchitsch: Warum nicht? Die neuen Regierungsmitglieder sind, wie ihre Vorgänger, Politprofis. Ich bin überzeugt, sie werden ihre Arbeit gut erledigen.

"Krone": Flecker hat ja wieder den Kanzler kritisiert. Sind Sie froh, dass er, wie ÖVP-Klubchef Drexler formuliert hat, am "Abstellgleis Präsidentenamt" gelandet ist?
Muchitsch: Flecker ist nicht am Abstellgleis, sondern sitzt als Landtagspräsident auf dem höchsten Podest im Landtag. Er wird auch in Zukunft seine kritische Stimme erheben. Ich würde mir nur wünschen, dass der Kurt seine Kritik dort einbringt, wo sie hingehört, nämlich in den Bundesparteivorstand, wo er ja Mitglied ist. Und nicht über die Medien sudert! Faymann hat die SPÖ mit 23 Prozent Umfragewerten übernommen und steht jetzt bei 33 Prozent. Mit öffentlicher Kritik schadet Flecker nicht nur Faymann, sondern auch der SPÖ.

"Krone": Sie haben einmal gesagt, Sie sehen Flecker als Gefahr. Worin besteht diese?
Muchitsch: Die Gefahr besteht darin, dass sich Kurt Flecker auch in Zukunft, wie wir ja jetzt bereits gesehen haben, SPÖ-kritisch öffentlich zu Wort melden wird. Es macht doch keinen Sinn, wenn der Kurt jeden Bundeskanzler beginnend von Vranitzky über Gusenbauer bis Faymann öffentlich kritisiert!

"Krone": Der neue Landtagspräsident polarisiert. Kann man mit ihm Wahlen gewinnen?
Muchitsch: Flecker deckt ein gewisses Klientel unserer Wähler ab und ist somit wichtiger SPÖ-Bestandteil. Ja, er polarisiert, wofür ich ein befristetes Verständnis habe, solange wir nicht wissen, ob wir in Zukunft mit oder ohne FPÖ Politik machen wollen. Wahlen können wir nur gewinnen, wenn wir gemeinsam marschieren.

"Krone": Wie sehen Sie die Zukunft der SPÖ?
Muchitsch: Wir müssen mit der öffentlichen Suderei aufhören. Die Zeit sollten wir dazu nutzen, um den Menschen vor Ort ständig mitzuteilen, was die SPÖ in ihrer Verantwortung auf Landes- und Bundesebene weitergebracht hat. Wir können stolz auf die Leistungen sein; es hilft uns nur nichts, wenn die Menschen draußen sie nicht kennen.

"Krone": Was muss sich ändern? 
Muchitsch: Wir müssen alle zu unseren alten Stärken zurückfinden – SPÖ-intern diskutieren und wieder die Hoheit am Wirtshaustisch zurückgewinnen. Nur dann werden wir auch in Zukunft einen Bundeskanzler Faymann und Landeshauptmann Voves haben.

Interview: Gerald Schwaiger, "Steirerkrone"

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