"Krone"-Interview

Schützenhöfer: “Voves fehlt Handschlagqualität”

Steiermark
26.03.2009 10:23
Hermann Schützenhöfer (im Bild) steht ein großer Tag ins Haus: Parteitag! Alles andere als breite Zustimmung wäre eine Überraschung. Aus dem Scherbenhaufen 2005, einer in den Grundfesten erschütterten ÖVP, hat der Vize-Landeshauptmann eine selbstbewusste Partei geformt. "Steirerkrone"-Politikchef Gerhard Felbinger und Gerald Schwaiger trafen eine angriffige Nummer Eins! Kein gutes Haar lässt Schützenhöfer am Mitbewerber. Die Landes-SPÖ treibe Chaos-Politik, Franz Voves fehle Handschlagqualität. Mit dem Landeshauptmann würde er "nicht ins Wirtshaus gehen"...
Herr Landeshauptmann, wie steht's um die persönliche Befindlichkeit? 
"Ich bin locker, trotz der Krise guten Mutes und glaub auch, dass das am Samstag ein sehr positiver Parteitag wird."

2006 haben Sie mit 98,6 Prozent ein Traumergebnis erzielt. Wie hoch liegt die Latte? 
"Ich hab keine, ich sage: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Ich mach's nicht jedem recht. Wenn mir in der Partei reihenweise Frauen abgewählt werden (bei Bezirksparteitagen, Anm. d. Red.), dann muss sie der Parteiobmann halt wieder auf die Liste setzen. Die Steiermark ist nun einmal weiblich, und darauf ist Rücksicht zu nehmen. Aus, Schluss, basta!" 

Vor ein paar Monaten haben Parteifreunde den Grazer Bürgermeister Nagl oder Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch ins Rennen schicken wollen. Alle aus dem Feld geschlagen? 
"Ich schlage niemanden, auch nicht aus dem Feld. Siegfried Nagl ist erfolgreicher Bürgermeister, Fritz Grillitsch ein sehr guter Bauernchef. Sie unterstützen mich, ich unterstütze sie. Aber da und dort hat es Brösel gegeben, das möchte ich nicht in Abrede stellen." 

Nagl ist nach dem Skandal um Stadträtin Fluch angezählt. Bereitet Ihnen der Zustand der Grazer ÖVP Sorgen? 
"Wir sind in einem Wellental gerade unten, das muss ich schon zugeben. Aber: Siegfried Nagl ist unangefochten." 

Wird wieder eine Frau auf dem Stadtratssessel sitzen? 
"Davon können Sie getrost ausgehen." 

Haben Sie, seit Sie 2005 den Scherbenhaufen ÖVP übernommen haben, nicht mehrmals den Hut draufhauen wollen? 
"Ich bin nicht der Mensch, der gleich den Hut draufhaut, wenn's eng wird. Und eng ist's schon ein paar Mal geworden. Etwa 2005, als einige nicht wahrhaben wollten, dass wir Zweite sind. Das war schon eine Umstellungsphase." 

Wann haben Sie persönlich sich umgestellt?
"Am Tag nach der Wahl. Da war zwar erst ein Gefühl der Ohnmacht, aber ich war schnell in der Realität angelangt. Je mehr sich die SPÖ im Bad der Schadenfreude gewälzt hat, umso stärker ist bei mir der Wille gewachsen: Das musst Du ändern!" 

Stichwort SPÖ, wie geht's mit der Zusammenarbeit? Man hat den Eindruck, Sie können mit den Roten einfach nicht. 
"Kein Wunder, bei mir hat sich tiefe Enttäuschung festgesetzt. Nicht, wie plakatiert, 'Alles anders, alles besser' ist's im Land geworden, sondern vieles schlechter. Chaotische Gesundheitspolitik, Energiepolitik, die den Namen nicht verdient, Personalpolitik der Brachialgewalt! Von 17 Führungspositionen wurden 16 mit roten Parteigängern besetzt. Und da soll man nicht enttäuscht sein?" 

In unserem letzten Interview haben Sie Franz Voves scharf attackiert. Hat sich Ihr Verhältnis gebessert? 
"Schauen Sie, ich brauch unter einen Vertrag keine Unterschrift, bei mir genügt der Handschlag. Franz Voves hat diese Qualität nicht, das bedauere ich, kann mittlerweile aber damit umgehen. Gute Zusammenarbeit schaut anders aus. Auf den Punkt gebracht: Ins Wirtshaus würd ich nicht gehen mit ihm!" 

Die steirische ÖVP hat gegen die Neuauflage der großen Koalition angekämpft. Jetzt haben wir sie; zufrieden, mit dem was passiert? 
"Viele wollten sie nicht, ich hab's halt gesagt. Nur angesichts der Krise ist sie gscheit. Die Nagelprobe kommt aber erst, wenn man sich den Lehrerstreit oder das ÖBB-Defizit anschaut."

Die Wahlen in Salzburg und Kärnten waren für die ÖVP nicht berauschend. Gibt das für die Steiermark-Wahl 2010 zu denken? 
"Nein, ich glaube, für die steirische ÖVP wird's in Summe besser. Eine Partei, die gewinnen will, ist gut beraten, mehr Frauen ins Rennen zu schicken. Die ist gut beraten, die Jugend nicht dem Herrn Strache zu überlassen. Und die ist gut beraten, der Beliebigkeit die Verlässlichkeit entgegenzusetzen. Damit trete ich an. Wir brauchen jetzt jemanden an der Spitze, der steht und nicht wankt. Und nicht mitjammert!" 

Die Krise hat die Steiermark aufgrund ihrer Autolastigkeit besonders erwischt. War die Ausrichtung auf den Cluster ein Fehler? 
"Nein. Die Besserwisser, die den Autocluster jetzt kritisieren, haben damals applaudiert. Wenn Amerika zusammenbricht, soll man nicht den Schuldigen im Grazer Magna-Werk suchen! Was die Krisenbewältigung betrifft, so müssen wir im Landesdienst, in den Gemeinden, in den Kleinregionen anpacken. Mit 'meinen' Bürgermeistern schnüre ich etwa 357 kleine Konjunkturpakete!" 

Wie ist Ihr Verhältnis zur FPÖ? Es ist kein Geheimnis, dass die Volkspartei immer schon gute Kontakte zum blauen Lager gepflogen hat. 
"Ich habe nie jemanden ausgegrenzt. Ich möcht sowohl mit der FPÖ als auch mit den Grünen zusammenarbeiten. Und, auch das mit aller Klarheit: natürlich auch mit der SPÖ."

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