Das freie Wort

Mehr Realismus bitte!

Natürlich sehnen wir uns alle nach dem Ende der Corona-Probleme. Natürlich würden wir uns alle wünschen, dass die Pandemie so bald wie möglich verschwindet. Natürlich würden wir uns alle schon einen Impfstoff wünschen, der wenigstens für 80 Prozent gut verträglich ist. Natürlich sollten wir darauf hoffen, dass wir diese gesundheitliche und wirtschaftliche Krise halbwegs gut überstehen. Optimismus und Hoffnung tun schließlich uns allen gut. Zumindest so lange, wie sie nicht zur Schönfärberei werden und damit zu unangebrachten Leichtsinn führen. Wir sollen jetzt weder den Mut verlieren noch die Hoffnung aufgeben. Was wir jetzt aber dringend brauchen, ist mehr Realismus. Es schadet uns nur, wenn wir Corona mit einer Grippe verwechseln. Gesundheitlich wie wirtschaftlich. Es schadet uns nur, wenn wir uns einreden, dass wir jetzt schon weitermachen könnten, annähernd wie früher. Es schadet uns nur, wenn wir uns der Gruppe der Leichtsinnigen und nicht der Gruppe der Vernünftigen anschließen. Die Realität hat uns doch längst daran erinnert, was passiert, wenn wir unachtsam werden. Die Realität hat uns doch schon gezeigt, dass das Modell Eigenverantwortung gescheitert ist. Die Realität hat uns schon das Ergebnis präsentiert, was herauskommt, wenn die Politik so breit angelegt lockert, wie sich die Wirtschaft das wünscht. Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen. Optimismus und Zuversicht sind herrliche Eigenschaften. Sie können in Zeiten einer Pandemie aber zum Fallstrick werden, wenn man gleichzeitig den Realismus mit Füßen tritt. Denn das ist im wahrsten Sinne des Wortes nun mal ungesund – sowohl für die Menschen als auch für die Wirtschaft. Jetzt sollte wirklich schleunigst der Realismus wieder unser Tun und Handeln bestimmen. Einheitliche Regeln vonseiten der Politik. Verantwortungsbewusstsein. Realismus. Verzicht. Achtsamkeit. Weil wir alle nur so und nicht anders halbwegs gut durch diese Krise kommen und mit Zuversicht nach vorn schauen können.

Christian Stafflinger, Linz

Erschienen am Do, 19.11.2020

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