Sa, 18. August 2018

Paradise Papers

05.11.2017 19:16

Daten-Leck belastet Queen - und Wolfgang Flöttl

Nach den Panama Papers nun die Paradise Papers: Das neueste Daten-Leck, das Einblicke in die Offshore-Finanzindustrie, deren reiche Klientel und in Steuerparadiese bringt, hat es in sich. Neben der britischen Queen tauchen aus Österreich das Meinl-Imperium und der Investmentbanker Wolfgang Flöttl, der einen Milliardenbetrag der BAWAG verspekuliert hat, in den Dokumenten auf.

Ergebnisse der Recherche in insgesamt 1,4 Terabyte Daten durch die Plattform ICIJ, zu der in Österreich ORF und "Falter" gehören, zeigen, wie Großkonzerne Gewinne fast steuerfrei ins Ausland transferieren. Die 13,4 Millionen Dokumente geben tiefe Einblicke in die komplexen Strukturen der Offshore-Finanzwelt. So lasse sich detailliert nachvollziehen, wie beispielsweise Apple oder Nike in Europa erzielte Gewinne nahezu steuerfrei ins Ausland transferieren. Der Datenschatz wurde in den vergangenen Monaten weltweit von 96 Medien und mehr als 380 Journalisten ausgewertet.

Anwaltskanzlei im Zentrum der Enthüllungen
Im Zentrum der Enthüllungen steht diesmal eine Anwaltskanzlei namens Appleby. Aus dieser Firma, die auf die Gründung und Betreuung von Briefkastenfirmen spezialisiert ist, stammen rund 6,8 Millionen vertrauliche Dokumente. Dazu kommen weitere rund sechs Millionen Dokumente von Firmenbüchern aus 19 Offshore-Destinationen und noch einmal rund 600.000 weitere Dokumente einer weiteren Offshore-Dienstleistungsfirma aus Singapur - also insgesamt 13,4 Millionen Dokumente.

Appleby hat den Hauptsitz auf den Bermuda-Inseln, die als Steuerparadies gelten. Mit einem weltweiten Netz von zehn Standorten hat sich die Kanzlei auf Offshore-Dienstleistungen für reiche Menschen und große Firmen spezialisiert. Die Appleby-Kunden "sind Top-Kunden", sagt ICIJ-Direktor Gerard Ryle im ORF-Bericht. "Wir sprechen von den größten Konzernen der Welt." Die Unternehmen würden Appleby nutzen, um Steuern zu vermeiden oder möglichst wenig Steuern zu bezahlen. Das sei vielleicht nicht illegal, so Ryle, "aber die Dokumente zeigen, wie weit die Unternehmen gehen, um Steuern zu vermeiden".

Prominente aus aller Welt in Daten zu finden
Aber nicht immer geht es um Steuervermeidung. Sehr oft wird der Umstand genutzt, dass die Besitzer von Briefkastenfirmen normalerweise im Dunkeln bleiben. In den Daten von Appleby und den Firmenbüchern von 19 Offshore-Destinationen finden sich Prominente aus aller Welt: etwa US-Handelsminister Wilbur Ross oder auch die britische Royal Family. Dazu kommen Konzerne wie Nike, Apple oder Glencore, der größte Rohstoffhändler der Welt.

"Appleby hat die Vorwürfe sorgfältig und gründlich untersucht, und wir sind überzeugt, dass es keinerlei Belege für ein Fehlverhalten gibt. Nicht bei uns selbst, und auch nicht bei unseren Kunden", lautet die kurze schriftliche Stellungnahme von Appleby auf der Kanzlei-Homepage.

 krone.at
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