23.04.2017 15:17 |

Vor 200 Jahren

Wegkreuz zeigt 2,72 Meter Schnee im April

Später Wintereinbruch in Tirol, doch es geht noch viel, viel heftiger! Um dies mit eigenen Augen zu sehen, lohnt sich ein Ausflug nach Waidring zum ungewöhnlich hohen Wegkreuz bei der Auergasse. Das Marterl ist eine historische Markierung: Vor 200 Jahren - am 24. April 1817 - lag der Schnee hier 2,72 Meter hoch!

"Schon als Kind hat mich diese Schneemarkierung fasziniert", erzählt der Skitoursimus-Forscher Günther Aigner. Er recherchierte gemeinsam mit dem Meteorologen Christian Zenkl und dem bekannten Hydrologen Wolfgang Gattermayr. Klar ist: Amtliche Messdaten vom 24. April 1817 gibt es nicht, auch keine meteorologischen Aufzeichnungen in Tirol, die erklärend wirken können. Es gibt allerdings einige Indizien für den Wahrheitsgehalt.

Gendarmerieinspektor beschrieb das Naturereignis

In Fieberbrunn schrieb der damalige Gendarmerieinspektor Karl Larcher in der "Heimatchronik": "Am 6. März 1817 entwickelte sich über dem Pillerseetal ein furchterregendes Hochgewitter und es fing an zu schneien und hörte bis zum 30. April nicht mehr auf. Es schneite somit volle acht Wochen fast ununterbrochen durch. Am 1. Mai 1817 war der erste schöne Tag, der Schnee lag 9 Schuh tief." Anm: Ein Schuh dürfte 30 Zentimeter entsprechen.

Kundl Anfang Mai: Kein Zaun schaute hervor

In Kundl berichtet ein Chronik-Eintrag von gewaltigen Schneemassen am 3. Mai 1817: "Der Schnee liegt selbst im Inntal so hoch, dass keine Zaunstempel am Feld zu sehen sind."

Markierungen an Kirchen

Ebenso gibt es eine Markierung an der Kirchenmauer des Pinzgauer Ortes Hinterthal bei Maria Alm vom 1. Mai 1817. Die Linie ist etwa 6 Meter über dem Boden, es könnte aber die Schneehöhe inklusive Dachlawinen und Schneeverwehungen markiert worden sein. Ähnliches gilt für die fast absurd wirkende meterhohe Markierung an der Auracher Kirche bei Kitzbühel.

Extreme Ausnahme

Zurück zu Waidring: Die genannte Schneehöhe von 2,72 Meter wurde in den vergangenen 100 Jahren nicht einmal annähernd erreicht. Der größte amtlich gemessene Wert lag bei 1,60 Meter am 24. Februar 2009. Außergewöhnlich ist auch der späte Zeitpunkt der Rekordschneehöhe. Der 24. April ist in neun von zehn Jahren schneefrei. Schneehöhen größer als 60 Zentimeter sind im April extrem selten.

Auf Vulkanausbruch folgte extremes Wetter

Erklärungen für das Extremereignis vor 200 Jahren? Allgemein wird angenommen, dass es sich um Nachwirkungen des gewaltigen Vulkanausbruchs Tambora in Indonesien (10. April 1815) handelt. Weiten Teilen der Nordhalbkugel wurde 1816 ein fürchterliches "Jahr ohne Sommer" (Missernten, Hunger) beschert. Dann folgte der "endlose Winter" 1817 . . .

Andreas Moser, Kronen Zeitung

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