Tirols oberster Bergretter Hermann Spiegl sieht in „der deutlich zu hohen Geschwindigkeit“ die Ursache für viele Skiunfälle, die derzeit auf Tirols Pisten passieren. Es sei leicht, mit wenig Können sehr schnell zu fahren.
Die Luftaufnahmen, die Hans Schlager, Chef der Flugeinsatzstelle Innsbruck und Pilot der Libelle Tirol, der „Tiroler Krone“ zur Verfügung gestellt hat, sprechen eine deutliche Sprache: Tirol präsentiert sich zum Jahreswechsel beinahe grün, von den Bergen ziehen schmale Kunstschneebänder ins Tal. Wer über den Pistenrand hinaus gerät, hat in Sachen Gesundheit sehr schlechte Karten.
Dass sich die Pisten durch den Kunstschnee in Topzustand befinden , bringt einen Nachteil mit sich. „Im Vergleich zu früher sind die Pisten alle ,brettleben’. Dadurch ist es sehr leicht, mit nur wenig skifahrerischem Können sehr schnell zu fahren“, weiß Hermann Spiegl, Leiter der Tiroler Bergrettung. Diese Voraussetzungen nutzen sehr viele aus und überschreiten die eigenen Grenzen. „Ich war jetzt bei uns daheim in der Wildschönau in dem relativ kleinen Skigebiet am Markbachjoch mit den Enkelkindern unterwegs und habe teilweise sogar Angst bekommen“, schildert er. Sein Fazit: „Viele sind ganz einfach deutlich zu schnell unterwegs.“
In früheren Wintern waren die Berge in der Regel zumindest leicht angezuckert, sodass die Kunstschneebänder dadurch verdeckt wurden.
Hans Schlager, Chef der Flugeinsatzstelle Innsbruck und Pilot des Polizeihubschraubers Libelle Tirol
Der passionierte Skiläufer rät allen „Möchtegern-Hirschers“ , immer nur so schnell zu fahren, dass rechtzeitiges Bremsen möglich ist. Und: „Der Fahrer muss selbst bestimmen können, wohin die Reise geht - nicht der Ski!“ Spiegl erinnert sich an den Coronawinter 2020/ 2021, als keine Gäste ins Land kamen. „Skifahren war damals entspannt, die Einheimischen beherrschen die Ski besser“, meint er. Und der Faktor „Alkohol“ sei damals auch aus dem Spiel gewesen.
Im Skigebiet Steinplatte, wo am Mittwoch die zwei 17-Jährigen tödlich verunglückten, hat die Bergrettung Waidring den Pistendienst inne. Unabhängig von dem Unfall sieht auch Markus Brandstätter, Ortstellenleiter der Bergrettung, einen großen Unterschied zwischen Einheimischen und Gästen: „Die einheimischen Skisportler denken mehr mit, wie man sich bei den jeweiligen Verhältnissen verhalten soll.“
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