Was geschah 1942?

Tod einer Fluchthelferin: Neuer Blick auf Historie

Tirol
02.11.2022 17:00

Vor 80 Jahren wurde die Osttirolerin Rosa Stallbaumer im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Ihre dramatische Geschichte wird nun neu beleuchtet. Damit sollen auch falsche Erinnerungen geradegerückt werden. 

Im Gemeindesaal von Heinfels bei Sillian wird am 5. November diskutiert. Über historische Ereignisse, wie wir uns daran erinnern und was sie heute bedeuten. Anlass ist der 80. Todestag von Rosa Stallbaumer. Eine bemerkenswerte Frau, die ihren Einsatz für andere mit dem Leben bezahlte.

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Jeder wusste um die Gefahr. Nichts weniger als das eigene Leben stand auf dem Spiel.

Historiker Martin Kofler

Helfer wurden verraten und landeten im KZ
„Die Stallbaumers waren eine alteingesessene Familie in Sillian“, beginnt Martin Kofler zu erzählen. Der Historiker hat die Ereignisse von 1942 an der Grenze zu Italien aufgearbeitet. Rosa Stallbaumer und ihr Mann Anton halfen den jüdischen Schwestern Kornelia und Irene Sputz aus Wien in einer Mainacht über die Grenze. „Die Aktion flog auf, die Helfer wurden verraten und landeten im Konzentrationslager“, beschreibt Kofler die dramatischen Geschehnisse. Der berüchtigte Gestapo-Mann Georg König ging brutal gegen die Fluchthelfer vor. Rosa wurde nach Auschwitz deportiert, ihr Mann nach Dachau. Kofler: „Ihre Töchter waren neun und 13. Sie mussten zum Arbeitsdienst nach Unterkärnten.“

Während der Vater der beiden Mädchen knapp überlebte, starb ihre Mutter am 23. November 1942 im KZ. Ihr Name steht heute neben denen von anderen Ermordeten auf dem Befreiungsdenkmal am Innsbrucker Landhausplatz.

Verschiedene Formen der Erinnerung
Denkmäler sind eine Form der Erinnerung. Zum 80. Todestag fügt Künstlerin Annelies Senfter eine weitere hinzu. Sie hat sich mit den Ebenen zwischen historischer Wahrheit und Erinnerung auseinandergesetzt und präsentiert am Samstag ihr Kunstprojekt, das in der Folge in der Kirche St. Peter und Paul in Heinfels zu sehen sein wird. Auch Bischof Hermann Glettler hat sich für den Diskussionsabend angekündigt.

Viel Gerüchte ranken sich um die Geschehnisse
„Es geht auch darum, wie wir uns erinnern“, sagt Kofler. In diesem Fall passiert das in der Region ambivalent. Die Stallbaumers haben Geld für die Fluchthilfe verlangt. Um diese Tatsache ranken sich viele Gerüchte, weiß der Historiker. Heikle Fragen tun sich auf: Schmälert das den Wert ihres Einsatzes? Martin Kofler verweist auf die Fakten: „Jeder wusste um die Gefahr. Nichts weniger als das eigene Leben stand auf dem Spiel.“

Die Podiumsdiskussion „Rosa Stallbaumer 1942/2022 - gestern, heute, morgen“ findet am 5. November im Gemeindesaal Heinfels statt (20 Uhr). Anmeldung beim Bildungshaus Osttirol erbeten (04852/65133). Kunstprojekt von Annelies Senfter: 6.11. bis 3.12. in der Kirche St. Peter und Paul in Heinfels.

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