27.12.2021 10:13 |

Weihnachtsmüll

Der lange Schatten des heiligen (Konsum-)Festes

Die Überraschungen unter dem Christbaum sind schon wieder Geschichte, die wenig überraschenden Nachwehen Gegenwart: der Weihnachtsabfall. Er ist um 20 Prozent höher als in „normalen“ Zeiten. Dabei hätte es jeder in der eigenen Hand, dass die Müllberge nicht in den Himmel wachsen.

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Und schon ist’s wieder vorbei, das Fest, an das wir seit knapp einem Monat täglich erinnert werden. Abseits von Besinnlichkeit, Freundschaft und Liebe - also die inneren Werte - ist Weihnachten längst zum Konsumfest geworden. Eine Entwicklung mit Folgen für die Umwelt: Alle Jahre wieder steigt das Müllaufkommen laut Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) während der Weihnachtsfeiertage um rund 20 Prozent an. Dabei könne jeder von uns einen Beitrag leisten, um das Abfallaufkommen zu reduzieren.

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Das zur Tradition gewordene Hochglanzpapier ist aus Entsorgungssicht ein Wahnsinn.

Bernhard Weiskopf, Chef der „Umweltwerkstatt Landeck"

Ein Fokus liegt dabei auf den „äußeren Werten“ der Präsente, dem Geschenkpapier. „Das zur Tradition gewordene Hochglanzpapier ist aus Entsorgungssicht ein Wahnsinn“, weiß Bernhard Weiskopf, Chef der „Umweltwerkstatt Landeck“. Die kümmert sich um die gesamten abfallwirtschaftlichen Angelegenheiten im Bezirk. Die Produktion sei energieintensiv und über die richtige Entsorgung wisse kaum jemand Bescheid. Weiskopf: „Es darf auf keinen Fall in den eigenen Ofen wandern. Auch nicht zum Altpapier, sondern in den Restmüll. Es benötigt eine Spezialverbrennungsanlage.“ Noch besser als eine richtige Entsorgung sei natürlich die Vermeidung: „Am besten und auch am billigsten wäre Zeitungspapier oder zumindest Mehrfachsäckchen“, so der (fromme) Wunsch des Landecker Müllprofis.

157.000 t Lebensmittel gehen in den Restmüll
Weihnachten und Silvester sind auch Feste der Gaumenfreuden. Allerdings kann einem die Freude vergehen, wenn laut VOEB jährlich rund 157.000 Tonnen an Lebensmitteln und Speiseresten im Österreichischen Restmüll landen. Das sind beschämende 43 kg pro Haushalt. Weiskopf möchte an das „eigentlich Logische“ erinnern: „Der Einkauf regional erzeugter Lebensmittel ist natürlich nicht nur für die Umwelt am sinnvollsten. Bitte bleibt bei der Planung der oft zu üppigen Portionen am Boden und schmeißt die Reste nicht weg. Es gibt wunderbare Rezepte für den nächsten Tag.“

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Elektrogeräte müssen nicht zwingend weggeworfen werden, vernünftiger wäre es, ihnen ein zweites Leben zu schenken.

Bernhard Weiskopf, Chef der „Umweltwerkstatt Landeck"

Alte Elektrogeräte muss man nicht wegwerfen
Auch über den Austausch von Elektrogeräten kann ein (Weihnachts-)Lied gesungen werden. Neue ersetzen - manchmal ungewollt - alte. Doch wohin damit? „Elektrogeräte müssen nicht zwingend weggeworfen werden“, sagt Weiskopf, „vernünftiger wäre es, ihnen ein zweites Leben zu schenken“. Diese Reinkarnation kann etwa im „Re-Use“-Netzwerk Tirol geschehen. Nach dem Motto „Wiederverwenden statt Wegwerfen“ werden gute und brauchbare Gegenstände in den Recyclinghöfen, aber auch über den gemeinnützigen Verein ISSBA, einer Weiterverwendung zugeführt.

Geschredderter Elektromüll liefert wertvolle Rohstoffe
Muss ein Elektrogerät doch (richtig) entsorgt werden, dann endet seine Reise in Pfaffenhofen. Eine Reise, die Geräte aus ganz Österreich, Süddeutschland und Norditalien antreten und die sich umwelttechnisch lohnt. Dort steht nämlich Österreichs modernste und größte Anlage zur Wertstoffrückgewinnung, betrieben vom Abfallentsorgungsunternehmen Höpperger. Klares Ziel: Möglichst effizientes Recycling von Elektronik-Kleingeräten. Ein anlagetechnisches Wunderwerk, so der Eindruck beim „Krone“-Besuch. Mit einer überdimensionalen Kette werden die Geräte in einem Rotationskessel „geschreddert“, nach unzähligen Sortierschritten bleiben wertvolle Rohstoffe übrig.

„Wir gewinnen aus dem Elektroschrott etwa Stahl, Kunststoff, Kupfer, Messing oder Aluminium“, erklärt Chef Harald Höpperger, gleichzeitig auch Fachverbandsobmann in der Wirtschaftskammer Österreich, „nur zwei Prozent gehen in den Restmüll“. Allerdings appelliert der Entsorgungspionier: „Akkus sind im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich. Bitte unbedingt vorher aus den Geräten entfernen und in den dafür vorgesehenen Behältern entsorgen!“ Die gute Nachricht zum Schluss: In der Hitliste der fleißigsten Mülltrenner stehen die Tiroler mit 89 Prozent österreichweit an zweiter Stelle, Frauen sind dabei besonders ambitioniert.

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